EU-Entgelttransparenz: Was gilt, was kommt und was Arbeitgeber jetzt tun sollten

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie hätte bis zum 7. Juni 2026 in deutsches Recht umgesetzt werden müssen. Deutschland hat die Frist verpasst, ein Gesetzentwurf liegt noch nicht vor (Stand Oktober 2026). Bis dahin gilt das Entgelttransparenzgesetz von 2017. Kommen wird: Gehaltsangabe vor dem Bewerbungsgespräch, Auskunftsrecht für alle Beschäftigten, Entgeltberichte ab 100 Beschäftigten (die ersten 2027) und Beweislastumkehr. Wichtig für Benefits: Sachbezug, Zuschüsse und Dienstwagen zählen zum Entgelt. Wer sie nach festen Regeln vergibt, ist vorbereitet.

Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit ist kein neues Thema. Neu ist, dass die EU Arbeitgeber zu deutlich mehr Offenheit verpflichtet: gegenüber Bewerbenden, gegenüber der eigenen Belegschaft und gegenüber der Öffentlichkeit. Die Regeln greifen tief in HR-Prozesse ein, von der Stellenanzeige bis zur Gehaltsstruktur. Wer jetzt anfängt, hat genug Zeit. Wer wartet, bis das Gesetz da ist, wird knapp.

Was ist die EU-Entgelttransparenzrichtlinie?

Die EU hat die Richtlinie (EU) 2023/970 im Mai 2023 verabschiedet. Ihr Ziel: Lohnunterschiede, vor allem zwischen Frauen und Männern, sichtbar machen und abbauen. Die Mitgliedstaaten mussten sie bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umsetzen.

Die Richtlinie gilt für alle Arbeitgeber, öffentlich und privat. Manche Pflichten hängen von der Größe ab, die meisten gelten für alle.

Wo steht Deutschland bei der Umsetzung?

Deutschland hat die Frist verpasst. Stand Oktober 2026 liegt kein Gesetzentwurf vor. Das zuständige Familienministerium bereitet die Umsetzung vor, einen Zeitplan nennt die Bundesregierung aber nicht. Erwartet wird ein Entwurf zum Jahreswechsel 2026/27.

Was heißt das für euch?

  • Für private Arbeitgeber gilt vorerst weiter das Entgelttransparenzgesetz von 2017. Die neuen Pflichten aus der Richtlinie wirken nicht direkt.
  • Gerichte können die Richtlinie trotzdem schon heranziehen, etwa bei der Auslegung des geltenden Rechts.
  • Die Daten für die ersten Berichte stammen aus 2026. Wer jetzt nicht sauber dokumentiert, hat später Lücken.

Was heute gilt und was sich ändert

PunktHeute (Entgelttransparenzgesetz 2017)Mit Umsetzung der EU-Richtlinie
Auskunftsanspruchab 200 Beschäftigten im Betriebfür alle Beschäftigten, unabhängig von der Größe
Gehalt in der Stellenanzeigekeine PflichtPflicht vor dem ersten Gespräch
Berichtspflichtab 500 Beschäftigten, nur lageberichtspflichtige Unternehmenab 100 Beschäftigten, gestaffelt
Beweislasteingeschränktbeim Arbeitgeber
SanktionenkaumSchadenersatz, Bußgelder durch nationales Recht
Stand: Oktober 2026emplu

Welche Pflichten bringt die Richtlinie?

Was die EU-Entgelttransparenzrichtlinie vorschreibt

Pflicht nach der EU-RichtlinieFür wenWas das heißt
Gehaltsangabe vor dem Gesprächalle ArbeitgeberEinstiegsgehalt oder Gehaltsspanne in der Anzeige oder vor dem ersten Gespräch nennen
Keine Frage nach dem bisherigen Gehaltalle ArbeitgeberBewerbende dürfen nicht nach ihrem früheren Gehalt gefragt werden
Kriterien offenlegenalle (Erleichterung unter 50 Beschäftigten)erklären, nach welchen Kriterien Gehalt und Entwicklung festgelegt werden
Auskunftsrechtalle ArbeitgeberBeschäftigte erfahren ihr eigenes Entgelt und den Durchschnitt vergleichbarer Kolleginnen und Kollegen, getrennt nach Geschlecht
Entgeltberichtab 100 BeschäftigtenGender Pay Gap, auch bei Boni und Zusatzleistungen, regelmäßig berichten
Gemeinsame Entgeltbewertungab 100 Beschäftigtenbei unerklärtem Unterschied ab 5 %, der nicht innerhalb von 6 Monaten behoben wird
Beweislastumkehralle Arbeitgeberbei einer Klage muss der Arbeitgeber beweisen, dass keine Diskriminierung vorliegt
Stand: Oktober 2026emplu

Am stärksten betreffen den Alltag drei Punkte:

  • Gehalt vor dem Gespräch: Bewerbende erfahren das Einstiegsgehalt oder die Spanne, bevor sie zum Gespräch kommen. Die Frage nach dem bisherigen Gehalt ist nicht mehr erlaubt.
  • Auskunft für alle: Jede Person kann erfragen, was vergleichbare Kolleginnen und Kollegen im Durchschnitt verdienen, getrennt nach Geschlecht. Die Antwort muss innerhalb von zwei Monaten kommen.
  • Beweislast beim Arbeitgeber: Wer eine Benachteiligung geltend macht, muss sie nicht mehr beweisen. Ihr müsst zeigen, dass euer Gehaltssystem fair ist.

Ab wann gilt die Berichtspflicht?

Berichtspflicht: Fristen laut Richtlinie

UnternehmensgrößeErster Bericht laut RichtlinieDanach
250 und mehr Beschäftigte7. Juni 2027 (für 2026)jährlich
150 bis 249 Beschäftigte7. Juni 2027 (für 2026)alle 3 Jahre
100 bis 149 Beschäftigte7. Juni 2031alle 3 Jahre
unter 100 Beschäftigtekeine Berichtspflichtübrige Pflichten gelten trotzdem
Deutsche Umsetzung steht noch aus, Fristen können sich verschieben · Stand: Oktober 2026emplu

Unternehmen unter 100 Beschäftigten sind von der Berichtspflicht ausgenommen, aber nicht von den übrigen Pflichten. Auch sie müssen künftig Gehälter vor dem Gespräch nennen und Auskunft erteilen.

Zählen Benefits zum Entgelt?

Ja. Die Richtlinie versteht unter Entgelt nicht nur das Grundgehalt, sondern alle Vergütungsbestandteile in Geld oder als Sachleistung. Dazu gehören Boni, Sachbezug, Zuschüsse, Dienstwagen und Altersvorsorge.

Zählen Benefits zum Entgelt?

VergütungsbestandteilZählt zum Entgelt?Worauf ihr achten solltet
Grundgehalt, Boni, PrämienjaKriterien für Boni schriftlich festhalten
Sachbezug, Gutscheinejafür vergleichbare Gruppen gleich hoch
Essens-, Internet-, Kita-, ÖPNV-Zuschussjaeinheitliche Regeln, keine Einzelabsprachen
Dienstwagen, DienstradjaVergabekriterien dokumentieren
Betriebliche AltersvorsorgejaArbeitgeberzuschuss nach festen Regeln
Individuell verhandelte Extrasjagrößtes Risiko für unerklärte Unterschiede
Stand: Oktober 2026emplu

Daraus folgt: Benefits können keinen Gehaltsunterschied ausgleichen oder rechtfertigen. Im Gegenteil, unterschiedliche Benefits für vergleichbare Gruppen können selbst einen Pay Gap erzeugen. Das größte Risiko sind individuell verhandelte Extras, etwa ein Dienstwagen, den nur einzelne bekommen.

Die gute Nachricht: Wer Benefits nach festen, dokumentierten Regeln vergibt, zum Beispiel ein einheitliches Budget pro Kopf für alle, hat hier kein Problem. Eine Plattform hilft, weil sie genau festhält, wer was bekommt. Wie ihr Benefits fair aufsetzt, steht in Flexible Benefits statt Einzellösungen und in Benefits harmonisieren.

Wie nutzt ihr Transparenz im Recruiting?

Wenn Gehälter vergleichbarer werden, schauen Bewerbende stärker auf das Gesamtpaket. Bei ähnlichen Gehaltsspannen entscheiden Benefits, Flexibilität und Kultur. Zeigt deshalb schon in der Stellenanzeige, was über das Gehalt hinaus dazugehört: ein monatliches Benefit-Budget, Essenszuschuss, Deutschlandticket oder betriebliche Altersvorsorge.

Am besten wirkt eine Gesamtvergütungsübersicht, die den Wert aller Bestandteile pro Jahr zeigt. Ein Beispiel findet ihr in Benefits kommunizieren. Wie das zu eurem Arbeitgeberversprechen passt, steht in Employee Value Proposition.

Wie bereitet ihr euch jetzt vor?

Checkliste: So bereitet ihr euch vor

#Was ihr jetzt tun solltet
1Alle Vergütungsbestandteile erfassen, auch Benefits und Sachleistungen
2Stellen nach gleichwertiger Arbeit gruppieren (Kompetenz, Belastung, Verantwortung, Arbeitsbedingungen)
3Gehaltsbänder je Gruppe festlegen und schriftlich begründen
4Eigenen Gender Pay Gap berechnen, auch bei Boni und Benefits
5Stellenanzeigen mit Gehaltsspanne vorbereiten
6Bewerbungsprozess anpassen: keine Frage nach dem bisherigen Gehalt
7Ablauf für Auskunftsanfragen festlegen
8Betriebsrat einbinden und Führungskräfte schulen
Stand: Oktober 2026emplu

Der wichtigste Schritt ist die Bestandsaufnahme: Welche Gehaltsbänder gibt es, sind sie konsistent, und gibt es Unterschiede zwischen vergleichbaren Stellen, die ihr nicht erklären könnt? Schaut dabei nicht nur auf das Grundgehalt, sondern auch auf Boni und Benefits. Lücken in der Dokumentation werden spätestens bei der ersten Auskunftsanfrage sichtbar. Besser, ihr schließt sie jetzt.

Gibt es einen Betriebsrat, solltet ihr ihn früh einbinden. Er ist bei der gemeinsamen Entgeltbewertung beteiligt und hat bei Vergütungsgrundsätzen ohnehin Mitbestimmungsrechte. Mehr in Benefits mit dem Betriebsrat einführen.

Fazit: Transparenz als Chance

Auch wenn Deutschland die Frist verpasst hat, die Richtung ist klar. Gehälter werden offener, Bewerbende und Beschäftigte bekommen mehr Rechte, und Arbeitgeber müssen ihr Vergütungssystem begründen können. Wer jetzt Gehaltsbänder festlegt, Benefits nach festen Regeln vergibt und die eigene Datenlage prüft, hat keinen Stress, wenn das Gesetz kommt. Und positioniert sich nebenbei als fairer Arbeitgeber, was im Wettbewerb um Talente zählt.

Häufige Fragen zur Entgelttransparenz

Gilt die EU-Entgelttransparenzrichtlinie schon in Deutschland? Noch nicht direkt. Die Umsetzungsfrist ist am 7. Juni 2026 abgelaufen, Deutschland hat aber noch kein Umsetzungsgesetz beschlossen (Stand Oktober 2026). Für private Arbeitgeber gilt bis dahin das Entgelttransparenzgesetz von 2017.

Muss ich das Gehalt in der Stellenanzeige angeben? Nach der Richtlinie müssen Bewerbende das Einstiegsgehalt oder die Gehaltsspanne vor dem ersten Gespräch erfahren, etwa in der Anzeige. In Deutschland wird das mit dem Umsetzungsgesetz Pflicht, heute ist es noch freiwillig.

Wer muss einen Entgeltbericht erstellen? Laut Richtlinie Unternehmen ab 100 Beschäftigten. Ab 250 Beschäftigten jährlich, ab 150 alle drei Jahre, beide erstmals 2027. Unternehmen mit 100 bis 149 Beschäftigten ab 2031.

Zählen Benefits zum Entgelt? Ja. Die Richtlinie umfasst alle Vergütungsbestandteile in Geld oder als Sachleistung, also auch Sachbezug, Zuschüsse, Dienstwagen und Altersvorsorge. Benefits sollten deshalb für vergleichbare Gruppen nach festen Regeln vergeben werden.

Was können Beschäftigte erfragen? Ihr eigenes Entgelt und das durchschnittliche Entgelt von Kolleginnen und Kollegen mit gleicher oder gleichwertiger Arbeit, getrennt nach Geschlecht. Heute gilt dieser Anspruch nur in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten, künftig für alle.

Darf ich Bewerbende nach ihrem bisherigen Gehalt fragen? Nach der Richtlinie nicht mehr. Mit dem deutschen Umsetzungsgesetz wird diese Frage im Bewerbungsprozess verboten.

Was passiert bei einem Gender Pay Gap über 5 %? Ist ein Unterschied von mindestens 5 % nicht durch objektive Kriterien erklärbar und wird er nicht innerhalb von sechs Monaten behoben, müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretung eine gemeinsame Entgeltbewertung durchführen.

Benefits, die jeder Prüfung standhalten

Mit emplu vergebt ihr Benefits nach festen Regeln und habt jederzeit eine Übersicht, wer was bekommt. Das ist die beste Grundlage für Entgeltberichte und Auskunftsanfragen.

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Quellen: Richtlinie (EU) 2023/970, Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG), Deutscher Bundestag (BT-Drs. 21/7026), BMBFSFJ

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Stand der Gesetzgebung: Oktober 2026.

Leonard Gohlke

30. März 2026 | 4 min