Die Zeit verschwiegener Gehälter in Stellenanzeigen geht zu Ende. Viele Unternehmen sehen darin ein Risiko. Dabei steckt darin eine echte Chance für die Arbeitgebermarke: Wer offen sagt, was er zahlt, und zeigt, was zusätzlich dazugehört, überzeugt die richtigen Bewerbenden früher und spart sich Gespräche, die am Gehalt scheitern.
Heute noch nicht. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie schreibt vor, dass Bewerbende das Einstiegsgehalt oder die Gehaltsspanne vor dem ersten Gespräch erfahren. Deutschland hätte die Richtlinie bis Juni 2026 umsetzen müssen, hat die Frist aber verpasst. Ein Gesetzentwurf wird zum Jahreswechsel 2026/27 erwartet.
Die Richtlinie lässt offen, ob die Angabe in der Anzeige oder an anderer Stelle vor dem Gespräch steht. In der Praxis ist die Anzeige der einfachste und sicherste Ort. Was die Richtlinie sonst noch vorschreibt, steht in EU-Entgelttransparenz: was gilt und was kommt.
Bewerbende sind informierter denn je. Plattformen wie Kununu, Glassdoor, LinkedIn oder Gehaltsvergleiche liefern Marktdaten in Sekunden. Wer in der Anzeige kein Gehalt nennt, sendet eine Botschaft, nur nicht die gewünschte. Gerade Fachkräfte, die ihren Marktwert kennen, bewerben sich dann eher dort, wo die Zahl schon dasteht.
Dazu kommt: Wer das Gehalt verschweigt, wird anderswo nachgeschlagen, oft in veralteten oder falschen Quellen. Das führt zu falschen Erwartungen und Frust im Gespräch, auf beiden Seiten.
Wichtig ist, dass die Spanne das widerspiegelt, was ihr realistisch anbietet, nicht das absolute Maximum, das nur in Ausnahmefällen erreicht wird. Nennt die Basis dazu: brutto pro Jahr, Vollzeit, und wovon die Einstufung abhängt, etwa Erfahrung oder Standort.
Und schaut nach innen: Verdienen Mitarbeitende in vergleichbaren Rollen ähnlich wie die neue Spanne? Die Entgelttransparenzrichtlinie wird diese Frage ohnehin stellen. Wer jetzt ehrlich prüft, hat später weniger zu erklären.
Ein Gehalt allein erzählt nur einen Teil der Geschichte. Steuerfreie Benefits steigern den Wert eines Angebots oft um mehrere tausend Euro im Jahr, und zwar netto. Zeigt sie deshalb direkt unter der Gehaltsangabe, mit konkretem Wert:
Rund 4.000 € netto entsprechen einer Gehaltserhöhung von etwa 8.000 € brutto. Ein Angebot mit 45.000 € Gehalt und diesem Paket kann damit attraktiver sein als 50.000 € beim Wettbewerb ohne Benefits. Wer das nicht zeigt, verschenkt einen echten Vorteil. Den Vergleich im Detail zeigt Gehaltserhöhung oder Benefits.
Ein Hinweis: Nach der Richtlinie zählen Benefits zum Entgelt. Vergebt sie deshalb nach festen Regeln, für alle vergleichbaren Stellen gleich. Dann könnt ihr sie auch in jeder Anzeige gleich beziffern.
Gehalt und Benefits 45.000 bis 53.000 € brutto im Jahr (Vollzeit), je nach Erfahrung.
Zusätzlich jeden Monat, steuerfrei:
Das sind rund 4.000 € netto im Jahr zusätzlich zum Gehalt.
Kurz, konkret, mit einer Zahl am Ende. Keine Liste mit zwanzig Punkten, sondern das, was wirklich zählt.
Wenn eure Anzeigen Gehälter enthalten, lesen auch die eigenen Mitarbeitenden mit. Manche stellen fest, dass Neue ähnlich viel oder mehr verdienen. Ohne Erklärung erzeugt das Unmut. Nutzt den Moment, um auch intern über die Vergütungsstruktur zu sprechen, am besten vor der ersten Anzeige mit Gehalt.
Eine Gesamtvergütungsübersicht hilft dabei: Sie zeigt allen, was ihr Paket aus Gehalt und Benefits wirklich wert ist. Wie ihr das kommuniziert, steht in Benefits kommunizieren.
Ja. Wer eine klare Spanne sieht, kommt mit realistischen Erwartungen ins Gespräch. Das spart Zeit im Recruiting, senkt die Zahl der Absagen kurz vor dem Vertrag und beschleunigt Entscheidungen. Transparenz ist also nicht nur fair, sondern auch effizient. Wie ein klares Arbeitgeberversprechen dabei hilft, steht in Employee Value Proposition.
Wer Gehälter offen nennt, signalisiert: Wir haben nichts zu verbergen. Das schafft Vertrauen bei Bewerbenden und in der eigenen Belegschaft. Zusammen mit einem klar bezifferten Benefit-Paket wird aus der kommenden Pflicht ein Vorteil, der sich in Bewerbungen zeigt. Wer jetzt anfängt, ist vorbereitet, wenn das Gesetz kommt.
Muss das Gehalt in der Stellenanzeige stehen? In Deutschland noch nicht. Mit der Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie müssen Arbeitgeber das Einstiegsgehalt oder die Gehaltsspanne vor dem ersten Gespräch nennen. Die Anzeige ist dafür der einfachste Ort.
Ab wann gilt die Pflicht zur Gehaltsangabe? Sobald Deutschland die Richtlinie umgesetzt hat. Die Frist war der 7. Juni 2026, ein Gesetzentwurf liegt noch nicht vor (Stand Oktober 2026).
Wie breit sollte die Gehaltsspanne sein? Bewährt haben sich 15 bis 20 % zwischen Minimum und Maximum, zum Beispiel 45.000 bis 53.000 €. Zu breite Spannen wirken unglaubwürdig, zu enge lassen keinen Verhandlungsspielraum.
Gilt die Pflicht auch für kleine Unternehmen? Ja. Die Pflicht zur Gehaltsangabe vor dem Gespräch gilt nach der Richtlinie für alle Arbeitgeber, unabhängig von der Größe.
Darf man Bewerbende nach ihrem bisherigen Gehalt fragen? Nach der Richtlinie nicht mehr. Mit dem deutschen Umsetzungsgesetz wird diese Frage verboten.
Sollten Benefits in der Stellenanzeige stehen? Ja, am besten direkt unter dem Gehalt und mit ihrem Wert pro Jahr. Steuerfreie Benefits können ein Angebot um mehrere tausend Euro netto attraktiver machen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Stand der Gesetzgebung: Oktober 2026.

Leonard Gohlke
24. März 2026 | 5 min
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