Burnout und Erschöpfung sind keine Randerscheinungen mehr. Psychische Erkrankungen führen zu den längsten Ausfällen am Arbeitsplatz und gehören zu den häufigsten Gründen für Frühverrentung. Für Unternehmen ist psychische Gesundheit deshalb kein Privatthema, sondern ein Wirtschaftsfaktor. Ein moderner Ansatz geht weit über Obstkorb und Yoga-Kurs hinaus.
Psychische Gesundheit ist dabei kein privates Schicksal. Sie wird stark von Arbeitsbedingungen beeinflusst: Dauerstress, fehlende Wertschätzung, wenig Autonomie, ständige Erreichbarkeit und unsichere Beschäftigung gehören zu den größten Risikofaktoren. Wer das ignoriert, zahlt mit Fehlzeiten, sinkender Produktivität und Fluktuation. Was der Krankenstand insgesamt kostet, steht in Krankenstand senken.
Viele reagieren mit gut gemeinten, aber oberflächlichen Maßnahmen: ein Yoga-Kurs, eine Meditations-App, ein Obstkorb. Das ist nicht falsch, kratzt aber an der Oberfläche.
Was fehlt, ist ein niedrigschwelliger Zugang zu professioneller Hilfe. Wer heute einen Therapieplatz sucht, wartet oft Monate. Genau in dieser Zeit verschärfen sich viele Probleme. Und selbst gute Angebote verpuffen, wenn Mitarbeitende nicht wissen, dass es sie gibt, oder Angst haben, sie zu nutzen.
Psychologische Beratung per App: Mitarbeitende bekommen schnell und anonym Gespräche mit Psychologinnen und Psychologen, ohne monatelange Wartezeit. Mit OpenUp über emplu sind Termine innerhalb von 48 Stunden möglich. Der Zugang wird als Sachbezug bereitgestellt, bis 50 € im Monat steuerfrei.
Employee Assistance Programs (EAP): externe, anonyme Beratung bei beruflichen und privaten Problemen, oft rund um die Uhr erreichbar.
Präventionskurse: Kurse zu Stressbewältigung, Resilienz oder Schlaf sind bis 600 € im Jahr steuerfrei, wenn sie zertifiziert sind (§ 3 Nr. 34 EStG).
Coaching: ein Budget für berufliches oder persönliches Coaching. Wann Coaching steuerfrei ist und wie es sich von psychologischer Beratung unterscheidet, steht in Coaching für Mitarbeiter.
Entlastung für Eltern und Pflegende: Beratung und Vermittlung zu Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen ist steuerfrei (§ 3 Nr. 34a EStG). Für Eltern kleiner Kinder kommt der Kita-Zuschuss dazu.
Zeit: Flexible Arbeitszeiten, echte Pausen ohne Erreichbarkeit und die Möglichkeit für längere Auszeiten schaffen Puffer, bevor Erschöpfung entsteht. Mehr zu Auszeiten in Zeitwertkonto.
Neben freiwilligen Benefits gibt es Pflichten, die viele nicht kennen:
Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung ist seit 2013 ausdrücklich Pflicht, wird aber in vielen Unternehmen nicht gemacht. Sie ist zugleich die beste Grundlage, um zu entscheiden, welche Benefits wirklich helfen.
Den größten Einfluss auf die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden hat die direkte Führungskraft, mehr als jedes einzelne Benefit. Wer in die Mental-Health-Kompetenz seiner Führungskräfte investiert, erreicht langfristig am meisten. Führungskräfte sollten lernen:
Wichtig beim Datenschutz: Gesundheitsdaten sind besonders geschützt. Der Arbeitgeber darf nicht erfahren, wer ein Beratungsangebot nutzt und warum. Wertet nur anonymisierte, zusammengefasste Zahlen aus. Das ist auch die Voraussetzung dafür, dass Mitarbeitende das Angebot überhaupt annehmen. Wie ihr Benefits so kommuniziert, dass sie genutzt werden, steht in Benefits kommunizieren.
Unternehmen, die psychische Gesundheit ernst nehmen, senden ein starkes Signal: Hier arbeiten Menschen, nicht nur Ressourcen. Das zählt besonders bei Talenten, die auf Kultur und Fürsorge achten. Wer offen über Mental Health spricht, nimmt dem Thema das Stigma und schafft eine Kultur, in der Mitarbeitende früh Hilfe suchen, statt Probleme zu verschleppen.
Gleichzeitig wirkt es auf die Bindung: Wer sich unterstützt fühlt, bleibt. Mehr dazu in Mitarbeiterbindung: Fluktuation senken und Mitarbeiter wertschätzen.
Psychische Belastungen nehmen zu, und sie kosten Unternehmen viel. Die wirksamsten Maßnahmen sind ein schneller, anonymer Zugang zu professioneller Hilfe, Führungskräfte, die Warnsignale erkennen, und eine Kultur, in der das Thema offen angesprochen werden kann. Viele dieser Angebote sind steuerlich begünstigt. Der erste Schritt ist oft der einfachste: eine kurze, anonyme Befragung, was eure Mitarbeitenden wirklich brauchen.
Was sind Mental Health Benefits? Leistungen des Arbeitgebers, die die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden stärken, etwa psychologische Beratung per App, Employee Assistance Programs, Präventionskurse zu Stress und Resilienz oder Coaching.
Welche Mental Health Benefits gibt es? Beispiele Psychologische Beratung (z. B. OpenUp), Employee Assistance Programs, zertifizierte Kurse zu Stressbewältigung, Coaching-Budgets, Beratung zu Kinderbetreuung und Pflege, Erholungsbeihilfe sowie flexible Arbeitszeiten und Sabbaticals.
Sind Mental Health Benefits steuerfrei? Viele ja. Psychologische Beratung per App kann als Sachbezug bis 50 € im Monat steuerfrei sein, zertifizierte Präventionskurse bis 600 € im Jahr (§ 3 Nr. 34 EStG), Beratung zu Kinderbetreuung und Pflege nach § 3 Nr. 34a EStG.
Muss der Arbeitgeber etwas für die psychische Gesundheit tun? Ja. Er muss psychische Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung erfassen (§ 5 ArbSchG) und nach mehr als sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit im Jahr ein betriebliches Eingliederungsmanagement anbieten.
Erfährt der Arbeitgeber, wer psychologische Beratung nutzt? Nein. Seriöse Angebote sind anonym. Der Arbeitgeber sieht höchstens zusammengefasste, anonymisierte Nutzungszahlen.
Was ist ein Employee Assistance Program? Ein externes Beratungsangebot, das Mitarbeitende anonym bei beruflichen oder privaten Problemen nutzen können, etwa bei Stress, Konflikten, familiären oder finanziellen Sorgen.
Quellen: DAK-Gesundheitsreport (Pressemitteilung 20.01.2026), BAuA, § 5 ArbSchG, § 167 SGB IX, § 3 Nr. 34 und Nr. 34a EStG
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung im Einzelfall. Bei akuten psychischen Krisen: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 (kostenfrei, rund um die Uhr).

Leonard Gohlke
26. März 2026 | 4 min
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