Der Herbst ist Budgetzeit. Für HR und Geschäftsführung heißt das: Die Personalkosten für 2027 müssen jetzt geplant werden. Gleichzeitig wollt ihr gute Leute halten und für neue attraktiv bleiben. Doch die Budgets sind nicht beliebig dehnbar, und 2027 wird jede Gehaltserhöhung teurer als bisher. Wie plant ihr klug?
Besonders deutlich ist der Anstieg in der Kranken- und Pflegeversicherung: Die Beitragsbemessungsgrenze soll um fast 10 % steigen. Für alle, die mehr als 5.812,50 € im Monat verdienen, werden damit zusätzliche Beiträge fällig, für euch und für die Mitarbeitenden. Jede Gehaltserhöhung in diesem Bereich wird teurer.
Die Werte stammen aus dem Referentenentwurf vom September 2026, der Bundesrat muss noch zustimmen. Alle Werte für 2026 stehen in Mitarbeiter-Benefits 2026: die wichtigsten Änderungen.
Ja, und zwar vor allem anderen. Mit einem Mythos sollten wir gleich aufräumen: Benefits ersetzen kein faires Gehalt. Ein marktgerechtes Grundgehalt bleibt das Fundament jeder Wertschätzung. Mitarbeitende müssen von ihrem Einkommen gut leben, ihre Rechnungen bezahlen und vorsorgen können. Kein Benefit gleicht ein zu niedriges Gehalt aus.
Der Vorteil entsteht erst durch die Kombination: Auf einem soliden Gehalt aufbauend, erweitern steuerfreie Benefits den finanziellen Spielraum für beide Seiten.
Das Brutto-Netto-Dilemma kennt jede Geschäftsführung: 100 € mehr brutto kosten euch durch die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung rund 121 €. Bei den Mitarbeitenden kommen nach Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer und Sozialabgaben oft nur 50 bis 60 € an. Mehr als die Hälfte fließt an Finanzamt und Sozialkassen. Für die Motivation ist das frustrierend: Ihr zahlt viel, beim Team kommt wenig an.
Der Sachbezug funktioniert anders: 50 € kosten euch 50 €, und bei den Mitarbeitenden kommen 50 € an. Ohne Abzug. Den ausführlichen Vergleich zeigt Gehaltserhöhung oder Benefits.
Statt einer pauschalen Gehaltserhöhung von 3 % für alle könnt ihr zum Beispiel 2 % Erhöhung plus 50 € Sachbezug im Monat anbieten:
Bei fast gleichen Kosten kommen rund 50 % mehr netto bei euren Mitarbeitenden an. Und das Benefit-Budget ist jeden Monat sichtbar, während eine Gehaltserhöhung nach wenigen Monaten als selbstverständlich gilt.
Ein Budget von 80 oder 100 € im Monat ist möglich, aber nicht allein über den Sachbezug, der auf 50 € begrenzt ist. Den Rest deckt ihr mit weiteren Benefits ab, die jeweils eigene Grenzen haben:
Ein flexibles Budget, aus dem Mitarbeitende selbst wählen, wirkt am stärksten. Wie das aufgebaut ist, steht in Flexible Benefits statt Einzellösungen, was es pro Kopf kostet, in Was kostet eine Benefit-Plattform?.
Wichtig: Benefits müssen zusätzlich zum Gehalt kommen. Ihr dürft nicht bestehendes Gehalt kürzen und dafür Benefits zahlen. Bei der Gehaltsrunde ist der Mix aber unproblematisch: Die Erhöhung fällt kleiner aus, und das Benefit-Budget kommt zusätzlich dazu.
Mit der Rechnung oben: gleiches Budget, deutlich mehr Netto, messbare Nutzung. Dazu zwei Argumente:
Zum Jahreswechsel ändern sich ohnehin viele Werte, ein Start im Januar passt deshalb gut. Wie ihr Benefits in wenigen Wochen einführt, steht in Benefits einführen. Habt ihr für 2026 noch Budget übrig, lohnt ein Blick in Benefit-Budget 2026 nicht verschenken.
2027 wird jede Gehaltserhöhung teurer. Wer jetzt Gehalt und Benefit-Budget gemeinsam plant, gibt bei gleichem Budget deutlich mehr netto weiter, bindet Mitarbeitende stärker und bleibt für Bewerbende attraktiv. Beginnt jetzt mit der Analyse eures Budgets, dann steht der Mix zum 1. Januar.
Wie hoch ist die Beitragsbemessungsgrenze 2027? Laut Referentenentwurf 6.375 € im Monat in der Kranken- und Pflegeversicherung und 8.850 € im Monat in der Renten- und Arbeitslosenversicherung. Der Bundesrat muss noch zustimmen.
Wie hoch ist der Mindestlohn 2027? 14,60 € pro Stunde ab dem 1. Januar 2027. Die Minijob-Grenze steigt damit auf 633 € im Monat.
Bleibt der Sachbezug 2027 bei 50 €? Ja, nach aktuellem Stand bleibt die monatliche Freigrenze bei 50 €.
Was ist günstiger: Gehaltserhöhung oder Benefit-Budget? Für dasselbe Netto ist ein Benefit-Budget deutlich günstiger. 100 € mehr brutto kosten rund 121 € und bringen 50 bis 60 € netto. 50 € Sachbezug kosten 50 € und kommen voll an.
Wie hoch sollte ein Benefit-Budget pro Kopf sein? Ein guter Einstieg sind 50 € Sachbezug im Monat. Mit Essenszuschuss, ÖPNV oder Internetpauschale sind auch 100 bis 200 € im Monat möglich, jeweils mit eigenen Steuerregeln.
Quellen: Referentenentwurf Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung 2027 (BMAS, September 2026), Mindestlohnanpassungsverordnung, § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG
Hinweis: Werte für 2027 auf Basis des Referentenentwurfs, Stand Oktober 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Steuerberatung im Einzelfall.
von Alina Beckmann
17. Juli 2026 | 4 min
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