ÖPNV-Zuschüsse richtig versteuern -Der Praxisleitfaden für Arbeitgeber

Zuschüsse zu Bus und Bahn sind 2026 steuer- und sozialversicherungsfrei, wenn ihr sie zusätzlich zum Lohn zahlt (§ 3 Nr. 15 EStG). Das gilt für das Deutschlandticket (63 € im Monat), Verbund- und Jobtickets, im Nahverkehr auch für private Fahrten. Wird der Zuschuss per Entgeltumwandlung finanziert, könnt ihr ihn pauschal mit 25 % versteuern. Dann bleibt er beitragsfrei, und die Entfernungspauschale der Mitarbeitenden wird nicht gekürzt. Steuerfreie Zuschüsse müssen in der Lohnsteuerbescheinigung stehen und mindern die Entfernungspauschale.

Die Mobilitätswende ist in den Personalabteilungen angekommen. Der Dienstwagen verliert an Bedeutung, Bus und Bahn gewinnen. Für Arbeitgeber ist der ÖPNV-Zuschuss einer der einfachsten Benefits überhaupt, vorausgesetzt, die steuerlichen Regeln stimmen. Hier steht, welche Wege es gibt, was jeweils gilt und wie ihr den Zuschuss sauber abrechnet.

Was umfasst der ÖPNV-Zuschuss?

Unter ÖPNV-Zuschüssen versteht man alle Leistungen des Arbeitgebers, die Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln vergünstigen oder ganz bezahlen:

  • Deutschlandticket: Übernahme der monatlichen Kosten, 2026 sind das 63 €.
  • Regionale Tickets: Monats- oder Jahreskarten des Verkehrsverbunds.
  • Jobtickets: vergünstigte Firmentickets, die ihr direkt beim Verkehrsverbund bestellt.
  • Zuschüsse oder Erstattungen: Mitarbeitende kaufen das Ticket selbst, ihr erstattet die Kosten ganz oder teilweise.

Wie ihr den Zuschuss mit emplu anbietet, steht auf der Seite zum ÖPNV-Zuschuss.

Welche Tickets sind steuerlich begünstigt?

Welche Tickets begünstigt sind

TicketFahrten zur ArbeitPrivate Fahrten
Deutschlandticket (63 € im Monat)begünstigtbegünstigt (Nahverkehr)
Monats- oder Jahreskarte im Verbundbegünstigtbegünstigt (Nahverkehr)
Jobticket des Verkehrsverbundsbegünstigtbegünstigt (Nahverkehr)
Fernverkehr (ICE, IC)begünstigtnicht begünstigt
BahnCard 100begünstigt, wenn sie überwiegend für den Arbeitsweg genutzt wird oder sich dafür rechnetnur zusammen mit dem Arbeitsweg
Taxi, Flug, Fahrdienstenicht begünstigtnicht begünstigt
Stand: Oktober 2026emplu

Im Nahverkehr ist die Steuerfreiheit großzügig: Sie gilt auch für private Fahrten, also etwa für den Wochenendausflug mit dem Deutschlandticket. Im Fernverkehr sind nur Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz begünstigt.

Wie wird der ÖPNV-Zuschuss versteuert?

Es gibt vier Wege. Welcher passt, hängt vor allem davon ab, ob ihr den Zuschuss zusätzlich zahlt oder ob Mitarbeitende Gehalt dafür umwandeln.

ÖPNV-Zuschuss versteuern: die vier Wege im Vergleich

WegVoraussetzungSteuer und SozialversicherungEntfernungspauschale
Steuerfrei (§ 3 Nr. 15 EStG)zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Lohnsteuer- und beitragsfreiwird gemindert
Pauschal 25 % (§ 40 Abs. 2 S. 2 Nr. 2 EStG)auch per Entgeltumwandlung möglichArbeitgeber zahlt 25 % Lohnsteuer, beitragsfreiwird nicht gemindert
Pauschal 15 % (§ 40 Abs. 2 S. 2 Nr. 1 EStG)zusätzlich, für Fahrten zur Arbeit, bis zur Höhe der EntfernungspauschaleArbeitgeber zahlt 15 % Lohnsteuer, beitragsfreiwird gemindert
Normal versteuert–steuer- und beitragspflichtig wie Gehaltwird nicht gemindert
Stand: Oktober 2026emplu

Der Königsweg: steuerfrei nach § 3 Nr. 15 EStG

Die beste Option ist die vollständige Steuer- und Beitragsfreiheit. Dafür muss der Zuschuss zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gezahlt werden. Ein Tausch von Bruttogehalt gegen ein Ticket ist hier nicht erlaubt. Ihr spart die Lohnnebenkosten vollständig, und bei Mitarbeitenden kommt jeder Euro an.

Die Lösung für Entgeltumwandlung: 25 % Pauschalsteuer

Wenn der Zuschuss nicht zusätzlich gezahlt werden kann, etwa weil Mitarbeitende einen Teil ihres Gehalts umwandeln möchten, gibt es eine gute Alternative: Ihr versteuert ihn pauschal mit 25 % (§ 40 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 EStG).

  • Die Pauschalsteuer zahlt der Arbeitgeber.
  • Sozialversicherungsbeiträge fallen nicht an.
  • Mitarbeitende erhalten den vollen Wert des Tickets.
  • Und: Die Entfernungspauschale der Mitarbeitenden wird nicht gekürzt. Bei Langstrecken-Pendelnden kann dieser Weg deshalb sogar günstiger sein als der steuerfreie.

Die 15-%-Pauschalierung

Für Zuschüsse zu Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit gibt es außerdem eine Pauschalierung mit 15 %, begrenzt auf die Höhe der Entfernungspauschale. Sie wird vor allem bei Fahrtkostenzuschüssen fürs Auto genutzt und mindert die Entfernungspauschale. Für Bus und Bahn sind die steuerfreie Variante oder die 25-%-Pauschalierung meist die bessere Wahl.

Was bringt das im Vergleich zur Gehaltserhöhung?

Rechenbeispiel: Deutschlandticket steuerfrei, pauschal oder als Gehalt

Deutschlandticket für eine Person, pro JahrKommt netto anKostet den Arbeitgeber
Steuerfrei nach § 3 Nr. 15 (63 € im Monat)756 €756 €
Pauschal mit 25 % versteuert756 €rund 955 €
Gehaltserhöhung für dasselbe Netto (rund 126 € brutto im Monat)756 €rund 1.830 €
Vereinfacht, Pauschalsteuer inkl. Solidaritätszuschlag, ohne Kirchensteuer · Stand: Oktober 2026emplu

Für dasselbe Netto zahlt ihr bei einer Gehaltserhöhung mehr als das Doppelte. Den ausführlichen Vergleich zeigt Gehaltserhöhung oder Benefits.

Was passiert mit der Entfernungspauschale?

Ein Punkt, den ihr euren Mitarbeitenden erklären solltet: Steuerfreie Zuschüsse werden in ihrer Steuererklärung auf die Entfernungspauschale angerechnet. Das verhindert eine doppelte Begünstigung.

Beispiel: Erhält eine Mitarbeiterin das Deutschlandticket steuerfrei, sinken ihre absetzbaren Fahrtkosten um 756 € im Jahr. Bei kurzen Wegen spielt das kaum eine Rolle, weil die Entfernungspauschale dann ohnehin niedrig ist. Bei langen Pendelstrecken kann die 25-%-Pauschalierung für Mitarbeitende günstiger sein, weil dann nichts angerechnet wird.

Kommuniziert das offen, dann gibt es bei der Steuererklärung keine Überraschungen.

Wie rechnet ihr den ÖPNV-Zuschuss in der Lohnabrechnung ab?

Checkliste: ÖPNV-Zuschuss in der Lohnabrechnung

#Prüfpunkt
1Zusätzlichkeit schriftlich festhalten (Arbeitsvertrag oder Zusatzvereinbarung)
2Ticket oder Kaufbeleg zum Lohnkonto nehmen
3Zuschuss höchstens in Höhe der tatsächlichen Ticketkosten
4Steuerfreie Zuschüsse in der Lohnsteuerbescheinigung angeben (Zeile 17)
5Bei Pauschalierung mit 25 %: Lohnsteuer anmelden, Zeile 17 bleibt leer
6Bei Entgeltumwandlung nur die 25-%-Pauschalierung nutzen
7Mitarbeitende über die Wirkung auf die Entfernungspauschale informieren
8Preisänderungen beachten (Deutschlandticket 2026: 63 €)
Stand: Oktober 2026emplu

Die häufigsten Fehler bei einer Prüfung:

  • Fehlende Dokumentation: Die Zusätzlichkeit muss schriftlich festgehalten sein.
  • Fehlende Belege: Für jeden Zuschuss gehört eine Kopie des Tickets oder ein Kaufnachweis ins Lohnkonto. Mehr dazu in Nachweispflichten bei Zuschüssen.
  • Zuschuss höher als die Kosten: Steuerfrei ist nur, was das Ticket tatsächlich kostet.
  • Fehlende Angabe in der Lohnsteuerbescheinigung: Steuerfreie Zuschüsse gehören in Zeile 17.

Wie alle steuerfreien Benefits zusammen in der Abrechnung behandelt werden, steht in steuerfreie Benefits in der Lohnabrechnung.

Lässt sich der ÖPNV-Zuschuss mit anderen Benefits kombinieren?

Ja. Der ÖPNV-Zuschuss nach § 3 Nr. 15 ist unabhängig von der 50-€-Sachbezugsgrenze. Ein Deutschlandticket und 50 € Sachbezug, etwa ein Tankgutschein, sind im selben Monat beide steuerfrei. Auch ein Dienstrad oder die Internetpauschale lassen sich zusätzlich anbieten.

Was gilt für Minijobber?

Ein steuerfreier ÖPNV-Zuschuss zählt nicht zum Verdienst und gefährdet den Minijob nicht. Die Verdienstgrenze liegt 2026 bei 603 € im Monat, 2027 bei 633 €. Gerade für Minijobber ist der Zuschuss deshalb ein attraktiver Benefit: Er bringt mehr Netto, ohne die Grenze zu berühren. Mehr in Benefits für Minijobber und Teilzeitkräfte.

Das Deutschlandticket als Standard-Benefit

Das Deutschlandticket hat die Verwaltung stark vereinfacht. Ein bundesweit einheitlicher Preis von 63 € bedeutet: keine Tarifzonen, keine unterschiedlichen Beträge, ein Beleg pro Monat.

  • Volle Übernahme der 63 € ist ein starkes Signal und kostet euch steuerfrei genau 63 €.
  • Als Jobticket über den Verkehrsverbund gibt es oft Rabatte, wenn ihr einen Teil der Kosten übernehmt. Der effektive Preis kann dann unter 63 € liegen.

Fazit: Mobilität als einfacher Benefit

ÖPNV-Zuschüsse gehören 2026 zu den einfachsten und wirkungsvollsten Benefits: steuerfrei, unabhängig vom Sachbezug, auch für Minijobber geeignet. Wer die Unterschiede zwischen steuerfreiem Zuschuss und 25-%-Pauschalierung kennt, die Entfernungspauschale offen kommuniziert und die Belege sauber ablegt, macht bei keiner Prüfung einen Fehler.

Häufige Fragen zum ÖPNV-Zuschuss

Ist der ÖPNV-Zuschuss steuerfrei? Ja, wenn er zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Lohn gezahlt wird (§ 3 Nr. 15 EStG). Dann ist er steuer- und sozialversicherungsfrei, in voller Höhe der Ticketkosten.

Kann das Deutschlandticket per Entgeltumwandlung finanziert werden? Ja, aber nicht steuerfrei. Bei Entgeltumwandlung kann der Arbeitgeber den Zuschuss pauschal mit 25 % versteuern. Er bleibt dann sozialversicherungsfrei, und die Entfernungspauschale wird nicht gekürzt.

Wird der ÖPNV-Zuschuss auf die Entfernungspauschale angerechnet? Der steuerfreie Zuschuss ja, er mindert die abziehbare Entfernungspauschale. Bei einer Pauschalversteuerung mit 25 % wird dagegen nichts angerechnet.

Muss der ÖPNV-Zuschuss in der Lohnsteuerbescheinigung stehen? Ja. Steuerfreie Zuschüsse nach § 3 Nr. 15 EStG werden in Zeile 17 der Lohnsteuerbescheinigung eingetragen.

Ist ein Fahrtkostenzuschuss für Minijobber steuerfrei? Ein ÖPNV-Zuschuss nach § 3 Nr. 15 ist auch für Minijobber steuerfrei und zählt nicht zum Verdienst. Die Minijob-Grenze von 603 € im Monat (2026) wird dadurch nicht berührt.

Wie viel kostet das Deutschlandticket 2026? Seit dem 1. Januar 2026 kostet das Deutschlandticket 63 € im Monat. Arbeitgeber können diesen Betrag steuerfrei übernehmen.

Welche Belege brauche ich für den ÖPNV-Zuschuss? Eine Kopie des Tickets oder einen Kaufnachweis für jeden bezuschussten Zeitraum. Die Belege gehören zum Lohnkonto. Plattformen wie emplu prüfen die Belege digital und legen sie automatisch ab.

ÖPNV-Zuschuss ohne Papierkram

Mit emplu laden Mitarbeitende ihr Ticket per Foto hoch, die Plattform prüft den Beleg und liefert die Daten vorkontiert an die Lohnabrechnung.

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Quellen: § 3 Nr. 15 EStG, § 40 Abs. 2 Satz 2 EStG, Bundesministerium der Finanzen, Bundesregierung zum Deutschlandticket

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung im Einzelfall.

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von Leonard Gohlke

10. Oktober 2025 | 8 min