Die monatliche Sachbezugsfreigrenze von 50 € gehört zu den beliebtesten steuerfreien Benefits in deutschen Unternehmen: einfach umzusetzen und spürbar im Netto. Doch ein Urteil des Sächsischen Finanzgerichts zeigt, dass nicht jede Gutschein- oder Guthabenlösung automatisch als Sachbezug gilt. Für HR heißt das: Jetzt genau hinschauen, wie eure Lösung technisch und vertraglich aufgebaut ist.
Ein Arbeitgeber hatte seinen Beschäftigten jeden Monat ein Guthaben auf einem Prämienkonto gutgeschrieben. Damit konnten die Mitarbeitenden bei ausgewählten Händlern Gutscheine kaufen, sogenannte Zielgutscheine. Das Unternehmen behandelte das als steuerfreien Sachbezug innerhalb der 50-€-Grenze.
Finanzamt und Finanzgericht sahen das anders. Weil das Guthaben zunächst nur gegen weitere Gutscheine eingetauscht werden konnte, handelt es sich um eine Geldleistung. Die ist vom ersten Euro an steuer- und beitragspflichtig. Das Argument, am Ende stehe doch eine Ware, überzeugte das Gericht nicht. Entscheidend war allein der Zwischenschritt, egal wie die Beschäftigten das Guthaben am Ende genutzt haben.
Für die Bewertung zählt also nicht die Werbung des Anbieters, sondern der Anspruch, den ihr euren Mitarbeitenden verschafft. Kann das Guthaben auf einem Konto gesammelt und dann in ein anderes Zahlungsmittel umgewandelt werden, ist es aus Sicht des Gerichts kein Sachbezug mehr.
Seit 2020 ist die Grenze gesetzlich geregelt (§ 8 Abs. 1 Satz 3 EStG). Zweckgebundene Geldleistungen, nachträgliche Kostenerstattungen und Geldsurrogate gelten als Geldleistung, egal wofür das Geld am Ende ausgegeben wird. Ein Gutschein oder eine Guthabenkarte ist nur dann ein Sachbezug, wenn er die Kriterien des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes (ZAG) erfüllt. Diese Kriterien sind seit dem 1. Januar 2022 verbindlich.
Es gibt drei zulässige Varianten:
Besonders kritisch sind Karten oder Konten mit Bareinzahlung, eigener IBAN oder Überweisungsfunktion, etwa über PayPal, oder die sich nur gegen weitere Gutscheine eintauschen lassen. Auch der Kauf von Devisen oder Kryptowährungen über eine solche Karte schließt die Steuerfreiheit aus. Die Bezeichnung „Sachbezugskarte“ allein reicht also nicht. Entscheidend ist, wie die Karte oder App tatsächlich funktioniert.
Das Urteil heißt nicht, dass Sachbezugslösungen grundsätzlich in Gefahr sind. Es zeigt aber, wie wichtig die technische und vertragliche Ausgestaltung ist. Diese Fragen solltet ihr nicht erst bei einer Lohnsteuer-Außenprüfung klären, sondern schon bei der Auswahl des Anbieters:
Achtet außerdem auf die Zusätzlichkeit: Der Sachbezug muss zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Lohn gezahlt werden. Eine Gehaltsumwandlung ist nicht erlaubt. Im Zweifel hilft eine Anrufungsauskunft beim Betriebsstättenfinanzamt. Sie ist kostenlos und für das Finanzamt bindend.
Wichtig ist auch die Abstimmung im Haus. Einkauf, HR, Lohnabrechnung und Steuerberatung sollten dieselben Produktinformationen nutzen und Änderungen gemeinsam bewerten. So verhindert ihr, dass ein Anbieterwechsel oder eine neue Funktion in der App unbemerkt zu einer anderen steuerlichen Behandlung führt. Haltet in einer kurzen Prüfnotiz fest: Vertragsstand, Funktionen und Datum der Freigabe. Was ihr sonst noch dokumentieren solltet, lest ihr im Artikel zur Rechtssicherheit von Benefits.
Viele Plattformen arbeiten mit einem monatlichen Budget, aus dem Mitarbeitende Gutscheine auswählen. Das ist nicht automatisch dasselbe wie das Prämienkonto im Urteil. Entscheidend sind zwei Fragen: Bekommen Mitarbeitende ein Guthaben, das sie ansammeln und später umtauschen können? Oder gewährt der Arbeitgeber direkt einen Gutschein bei einem bestimmten Händler, den die Mitarbeitenden nur auswählen?
Genau diese Frage soll der Bundesfinanzhof jetzt klären. Er prüft auch, ob die Gutscheine anders zu beurteilen wären, wenn der Arbeitgeber sie direkt als Sachbezug gewährt hätte. Bis dahin ist die sichere Lösung: kein ansammelbares Guthaben, keine Tauschfunktion, und jeder Gutschein erfüllt nachweislich eine der ZAG-Kategorien.
Wird ein bestehendes Modell nachträglich als Geldleistung eingestuft, muss der Arbeitgeber Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen, oft für mehrere Jahre. Dazu kommt ein Vertrauensverlust bei den Mitarbeitenden, die sich auf einen steuerfreien Vorteil verlassen haben. Setzt deshalb lieber auf Rechtssicherheit als auf den kurzfristig günstigsten Tarif. Welche Gutscheine sicher sind, zeigt unser Überblick zum Sachbezug 2026.
Der 50-€-Sachbezug bleibt ein einfacher und beliebter Benefit. Das Urteil zeigt aber: Ein Konto als Zwischenschritt kann die Steuerfreiheit kosten. Prüft euren Anbieter mit den sechs Fragen oben, dokumentiert das Ergebnis und behaltet die Entscheidung des Bundesfinanzhofs im Blick. Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald sie vorliegt.
Was hat das Sächsische Finanzgericht zum Sachbezug entschieden? Mit Urteil vom 11.12.2025 (8 K 484/24) hat es ein monatliches Guthaben auf einem Prämienkonto als steuerpflichtige Geldleistung eingestuft. Mit dem Guthaben konnten Mitarbeitende nur Gutscheine bestimmter Händler kaufen. Der Zwischenschritt über das Konto verhinderte die Steuerfreiheit.
Ist das Urteil rechtskräftig? Nein. Die Revision liegt beim Bundesfinanzhof (Az. VI R 3/26). Bis zur Entscheidung solltet ihr Modelle mit ansammelbarem Guthaben vorsichtig bewerten.
Wann ist ein Gutschein eine Geldleistung? Wenn er wie Geld genutzt werden kann: bei einer Karte mit IBAN, Überweisung oder Bareinzahlung, bei nachträglicher Kostenerstattung oder wenn ein Guthaben nur in andere Gutscheine getauscht werden kann. Geldleistungen sind vom ersten Euro an steuer- und beitragspflichtig.
Welche Gutscheine sind weiterhin steuerfrei? Gutscheine, die eine der ZAG-Kategorien erfüllen: begrenztes Netz (z. B. eine Händlerkette oder City-Card) oder begrenzte Produktpalette (z. B. Tankkarte, Fitness). Zusammen mit anderen Sachbezügen dürfen sie 50 € im Monat nicht überschreiten.
Was können Arbeitgeber tun, um sicherzugehen? Den Anbieter schriftlich nach Guthaben, Tauschfunktion und ZAG-Kategorie fragen, das Ergebnis dokumentieren und im Zweifel eine Anrufungsauskunft beim Betriebsstättenfinanzamt einholen.
Quellen: Sächsisches FG, Urteil vom 11.12.2025, 8 K 484/24 (Revision BFH VI R 3/26), § 8 Abs. 1 Satz 3 und Abs. 2 Satz 11 EStG, § 2 Abs. 1 Nr. 10 ZAG, BMF-Schreiben vom 15.03.2022
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information, Stand Oktober 2026. Er ersetzt keine Steuerberatung im Einzelfall.
von Alina Beckmann
23. August 2026 | 4 min
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