
Ein Vergütungsmodell beschreibt, nach welchen Regeln und aus welchen Bausteinen ein Unternehmen seine Mitarbeitenden bezahlt. Es beantwortet drei Fragen: Was bekommt wer? Wofür? Und in welcher Form?
Heute denken viele Unternehmen dabei an die Gesamtvergütung (englisch: Total Compensation). Sie umfasst weit mehr als das Gehalt:
Wer nur auf das Bruttogehalt schaut, übersieht die Bausteine, die für viele Mitarbeitende inzwischen genauso viel zählen: Zeit, Flexibilität und steuerfreie Benefits.
In der Praxis kombinieren die meisten Unternehmen mehrere Modelle, etwa Gehaltsbänder für das Grundgehalt, einen Teambonus und ein flexibles Benefit-Budget.
Bei einem flexiblen Vergütungsmodell legt der Arbeitgeber nicht für alle dieselben Zusatzleistungen fest. Stattdessen bekommt jede und jeder ein Budget, aus dem sie selbst wählen. Früher hieß das „Cafeteria-System“, heute läuft es meist über eine App.
Der Vorteil: Dasselbe Budget passt zu völlig unterschiedlichen Lebenssituationen. Ein Beispiel mit 100 € im Monat:
Weil die meisten dieser Benefits steuer- und sozialversicherungsfrei sind, kommt bei allen drei fast der volle Betrag an. Über eine Gehaltserhöhung bräuchte es dafür rund 200 € brutto. Den genauen Vergleich zeigen wir in Gehaltserhöhung vs. Benefits.
Gleichbehandlung bedeutet nicht, dass alle dasselbe verdienen, sondern dass Unterschiede nachvollziehbar sind.
Für viele ist Lebenszeit wertvoller als ein höheres Brutto. Erweitert euren Spielraum über das Monetäre hinaus:
Transparente Gehaltsbänder zeigen Mitarbeitenden, wo sie stehen und was sie für die nächste Stufe brauchen. Das sorgt für mehr Zufriedenheit und weniger Flurfunk. Transparenz wird außerdem Pflicht: Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie musste bis Juni 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Was das für Arbeitgeber bedeutet, steht in EU-Entgelttransparenz: Was Arbeitgeber jetzt tun müssen.
Ein Vergütungssystem wird besser angenommen, wenn die Betroffenen mitgestalten:
Noch einfacher: Lasst jede und jeden selbst wählen. Mit einem Benefit-Budget stellen sich Mitarbeitende ihr Paket jeden Monat selbst zusammen, ohne Mehraufwand für HR.
Einzelprämien fördern oft Silodenken. Teamboni oder eine Gewinnbeteiligung richten den Blick auf das gemeinsame Ziel. Begleitet die Umstellung gut, damit sich leistungsstarke Einzelne nicht übergangen fühlen.
Kein Vergütungsmodell ist sofort perfekt.
Für weit entwickelte Teams: mehr Selbstverantwortung, etwa beim Urlaub. Das braucht gegenseitiges Vertrauen und eine reife Kultur, schafft aber eine starke Bindung.
Drei Argumente zählen in fast jeder Geschäftsführung:
Rechnet euren Fall vorher mit dem Benefit-Rechner durch und bringt die Zahlen mit ins Gespräch.
Ein modernes Vergütungsmodell besteht aus mehr als dem Gehalt. Startet mit dem, was am leichtesten umzusetzen ist, etwa einem Benefit-Budget oder transparenten Kriterien. Die ersten Erfolge machen es leichter, an die größeren Themen heranzugehen.
Was ist ein Vergütungsmodell? Ein Vergütungsmodell legt fest, nach welchen Regeln und aus welchen Bausteinen ein Unternehmen seine Mitarbeitenden bezahlt: Grundgehalt, variable Vergütung, Benefits und nicht-monetäre Leistungen wie Zeit oder Weiterbildung.
Welche Vergütungsmodelle gibt es? Die wichtigsten sind Festgehalt, Gehaltsbänder oder Tarif, leistungsorientierte Vergütung mit Bonus oder Provision, Team- und Gewinnbeteiligung, Mitarbeiterbeteiligung, Zeitmodelle und flexible Benefit-Budgets. Meist werden mehrere kombiniert.
Was ist ein flexibles Vergütungsmodell? Ein Modell, bei dem Mitarbeitende einen Teil ihrer Vergütung selbst gestalten, meist über ein Budget, aus dem sie Benefits wie Kita-Zuschuss, Deutschlandticket oder Sachbezug wählen.
Was ist ein Cafeteria-System? Der klassische Begriff für ein flexibles Benefit-Modell: Mitarbeitende wählen aus einem Angebot an Zusatzleistungen bis zu einem festgelegten Budget. Heute läuft das meist digital über eine App.
Was ist Total Compensation? Die Gesamtvergütung aus Grundgehalt, variablen Anteilen, Benefits, Altersvorsorge und nicht-monetären Leistungen. Sie zeigt den tatsächlichen Wert, den ein Arbeitsplatz bietet.
Kann Gehalt in Benefits umgewandelt werden? Steuerfreie Benefits wie Sachbezug, Kita- oder Essenszuschuss müssen zusätzlich zum Gehalt gezahlt werden. Eine Umwandlung ist nur bei Dienstrad, Hardware-Überlassung und betrieblicher Altersvorsorge möglich.
Wie überzeuge ich die Geschäftsführung von einem Benefit-Budget? Mit drei Argumenten: Benefits kosten für dasselbe Netto etwa die Hälfte einer Gehaltserhöhung, sie senken die Fluktuation, und mit einer Plattform zahlt ihr nur, was genutzt wird.
von Fanny Remus
09 Juni 2023 | 6 min
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