
Das Verständnis von Mitarbeiter-Benefits hat sich grundlegend gewandelt. Ein zeitgemäßes Angebot definiert sich heute weniger über klassische Incentives wie den „Obstkorb“, sondern über Lösungen, die Mitarbeitende in unterschiedlichen Lebensphasen unterstützen. Ob Zeit für Familie und Pflege, akademische Weiterbildung oder ein Sabbatical – Flexibilität ist zum entscheidenden Faktor geworden.
Hier setzen Zeitwertkonten (auch Langzeitkonten genannt) an: Beschäftigte bringen Zeit- oder Entgeltbestandteile in ein Wertguthaben ein, um spätere Freistellungen zu finanzieren – unter Fortführung des Arbeitsverhältnisses und vollem sozialversicherungsrechtlichem Schutz (BMAS, 2024). Für Arbeitgeber stellt dies kein Pflichtprogramm dar, bietet jedoch eine strategische Option, um Mitarbeiterbindung und Employer Branding nachhaltig zu stärken (BMF, LStH 2023).
Zeitwertkonten basieren auf einer einzelvertraglichen Vereinbarung, nach der fälliges Arbeitsentgelt nicht unmittelbar ausgezahlt, sondern für eine spätere Freistellungsphase angespart wird.
Die rechtliche Basis bildet das sogenannte Flexi-II-Gesetz, verankert in den §§ 7b–7f SGB IV. Zu den Kernanforderungen zählen:
Aktuelle Daten des IAB verdeutlichen den Trend zur zeitbasierten Flexibilität: Ende 2023 erreichten die Guthaben auf Kurzzeitkonten mit rund 473 Mio. Stunden einen historischen Höchststand (IAB-Kurzbericht, 2025).
Obwohl die Nachfrage nach Langzeitlösungen hoch ist, bieten bisher nur etwa 2,7 % der Betriebe separate Langzeitkonten an – wobei Großunternehmen hier eine Vorreiterrolle einnehmen (Hans-Böckler-Stiftung). Untersuchungen von WTW (2023) bestätigen jedoch: 96 % der Mitarbeitenden bewerten Zeitwertkonten positiv, und 80 % der Unternehmen befürchten künftige Wettbewerbsnachteile, wenn sie keine entsprechenden Modelle anbieten.
Für Beschäftigte bieten Zeitwertkonten echte Souveränität. Auszeiten für Bildung, Pflege oder Regeneration lassen sich ohne Kündigung oder finanziellen Totalausfall realisieren.
Arbeitgeber profitieren durch drei wesentliche Hebel:
Ein modernes Benefit-Portfolio sollte modular aufgebaut sein. Während Mobilitäts- oder Gesundheitsangebote kurzfristige Anreize setzen, fungieren Zeitwertkonten als strategische Langfrist-Komponente. Für eine erfolgreiche Implementierung ist eine saubere Einbettung in Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge essenziell, inklusive klar definierter Regeln für Entnahme und Reporting.
Lange Zeit galt die Verwaltung von Zeitwertkonten als komplex. Heute existieren digitale Lösungen, die Kontoführung, Monitoring der Wertgarantie und die Schnittstellen zur Lohnabrechnung (Payroll) automatisieren. Anbieter wie beispielsweise timefonds zeigen, wie die Abwicklung inklusive Depotführung für KMU skalierbar und effizient gestaltet werden kann (IT-Finanzmagazin, 2023).
Bevor ein Zeitwertmodell eingeführt wird, sollten folgende Fragen geklärt werden:
Zeitwertkonten sind kein pauschales „Muss“, sondern eine Option für Unternehmen, die auf eine moderne Arbeitskultur setzen. Wenn Governance und Prozesse sorgfältig aufgesetzt sind, schaffen sie einen messbaren Mehrwert: planbare Flexibilität für Mitarbeitende und eine gesteigerte Attraktivität für das Unternehmen im Wettbewerb um Talente.

von Anika Brunner
5. November 2025 | 6 min
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