
Benefits haben sich verändert. Gefragt sind heute weniger Obstkorb und Tischkicker als Lösungen, die zu unterschiedlichen Lebensphasen passen: Zeit für Familie und Pflege, eine Weiterbildung, ein Sabbatical oder ein früherer Übergang in den Ruhestand. Genau dafür gibt es das Zeitwertkonto. Es ist kein Pflichtprogramm, kann aber eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn Kultur, Verwaltung und Rechtsrahmen zusammenpassen.
Bei einem Zeitwertkonto wird ein Teil des Arbeitsentgelts nicht sofort ausgezahlt, sondern in einem Wertguthaben angespart. Später nutzen Mitarbeitende das Guthaben, um sich für eine längere Zeit freistellen zu lassen. In dieser Zeit bekommen sie weiter Gehalt aus dem Konto, das Arbeitsverhältnis und der Sozialversicherungsschutz laufen weiter.
Typische Verwendungen:
Rechtsgrundlage sind die §§ 7b bis 7f SGB IV, oft als „Flexi-II-Gesetz“ bezeichnet.
Einbringen lassen sich Teile des laufenden Gehalts, Einmalzahlungen wie Boni oder Weihnachtsgeld, Überstunden und Urlaubstage, die über den gesetzlichen Mindesturlaub hinausgehen. Viele Arbeitgeber geben zusätzlich einen Zuschuss, etwa einen festen Prozentsatz auf jede Einzahlung.
Der große Vorteil liegt in der nachgelagerten Besteuerung: Was ins Zeitwertkonto fließt, wird in der Ansparphase weder versteuert noch verbeitragt. Steuern und Sozialabgaben fallen erst an, wenn das Guthaben in der Freistellungsphase als Gehalt ausgezahlt wird.
Das kann sich lohnen, wenn das Einkommen in der Freistellung niedriger ist als beim Ansparen, zum Beispiel beim gleitenden Übergang in den Ruhestand. Dann fällt ein geringerer Steuersatz an.
Zwei Einschränkungen:
Für Mitarbeitende ist der größte Vorteil die Planbarkeit: Eine längere Auszeit ist möglich, ohne zu kündigen und ohne Einkommen und Versicherungsschutz zu verlieren. Für Arbeitgeber ist es ein Bindungsinstrument: Wer eine Auszeit über das Unternehmen plant, bleibt in der Regel auch danach.
Der wichtigste Punkt ist der Insolvenzschutz. Das Guthaben muss so angelegt sein, dass es auch dann erhalten bleibt, wenn das Unternehmen zahlungsunfähig wird. Üblich sind Treuhandmodelle oder Versicherungslösungen. Eine reine Rückstellung in der Bilanz reicht nicht.
Gibt es einen Betriebsrat, wird das Zeitwertkonto meist über eine Betriebsvereinbarung eingeführt. Wie ihr den Betriebsrat einbindet, steht in Benefits mit dem Betriebsrat einführen.
Wird das Guthaben nicht für eine Freistellung genutzt, spricht man von einem Störfall. Das kann eine Kündigung sein, ein Todesfall oder die Auflösung des Kontos. Dann gibt es drei Möglichkeiten:
Ein Zeitwertkonto lohnt sich vor allem, wenn:
Für kleine Unternehmen ist der Aufwand oft hoch. Spezialisierte Anbieter übernehmen heute Kontoführung, Anlage, Insolvenzschutz und die Schnittstelle zur Lohnabrechnung. Klärt vorab, was das kostet und wie viele Mitarbeitende das Angebot voraussichtlich nutzen.
Das Zeitwertkonto ist ein Benefit für die lange Frist. Im Alltag spüren Mitarbeitende davon wenig. Deshalb wirkt es am besten zusammen mit Benefits, die jeden Monat ankommen: Sachbezug, Essenszuschuss, Mobilität oder Coaching. Welche Benefits in welcher Lebensphase passen, steht in Benefits nach Lebensphase.
Zeitwertkonten sind kein Muss, aber für Unternehmen mit vielen Mitarbeitenden in der Lebensmitte oder kurz vor der Rente eine starke Option. Sie ermöglichen Auszeiten ohne Kündigung, stärken die Bindung und helfen beim Übergang in den Ruhestand. Voraussetzung ist eine saubere Umsetzung mit Vereinbarung, Insolvenzschutz und klaren Regeln für den Störfall.
Was ist ein Zeitwertkonto? Ein Konto, auf dem Mitarbeitende Teile ihres Gehalts, Boni oder Überstunden ansparen, um später eine bezahlte Freistellung zu finanzieren, etwa ein Sabbatical, eine Pflegezeit oder einen früheren Ruhestand.
Wie wird ein Zeitwertkonto versteuert? Nachgelagert: In der Ansparphase fallen keine Steuern und Sozialabgaben an. Versteuert und verbeitragt wird das Guthaben erst, wenn es in der Freistellung als Gehalt ausgezahlt wird.
Ist ein Zeitwertkonto Pflicht für Arbeitgeber? Nein. Arbeitgeber können Zeitwertkonten freiwillig anbieten. Wenn sie es tun, müssen sie die gesetzlichen Vorgaben einhalten, vor allem schriftliche Vereinbarung, Insolvenzschutz und Werterhalt.
Was passiert mit dem Zeitwertkonto bei Kündigung? Das Guthaben kann auf den neuen Arbeitgeber oder unter Voraussetzungen auf die Deutsche Rentenversicherung Bund übertragen werden. Sonst wird es ausgezahlt und dann versteuert und verbeitragt.
Wie viel Gehalt bekomme ich während der Freistellung? Das Gehalt in der Freistellung muss angemessen sein: zwischen 70 und 130 % des durchschnittlichen Gehalts der letzten zwölf Monate vor der Freistellung.
Was ist der Unterschied zwischen Zeitwertkonto und Arbeitszeitkonto? Ein Arbeitszeitkonto oder Gleitzeitkonto dient dem kurzfristigen Ausgleich von Mehrarbeit in Stunden. Ein Zeitwertkonto spart Geld für längere Freistellungen an und muss gegen Insolvenz geschützt werden.
Kann das Guthaben in die betriebliche Altersvorsorge übertragen werden? Für Vereinbarungen ab 2009 nicht mehr. Das Zeitwertkonto dient der Freistellung, die Altersvorsorge läuft getrennt.
Quellen: §§ 7, 7b bis 7f SGB IV, BMF-Schreiben zur steuerlichen Behandlung von Zeitwertkonten, Deutsche Rentenversicherung Bund
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

von Anika Brunner
5. November 2025 | 6 min
.webp)
.webp)