Zeitwertkonto: So funktioniert das Langzeitkonto für Sabbatical, Pflege und Ruhestand

Ein Zeitwertkonto (auch Langzeitkonto oder Wertguthaben) ermöglicht Mitarbeitenden, Gehalt, Boni oder Überstunden anzusparen und später für eine bezahlte Auszeit zu nutzen: Sabbatical, Pflegezeit, Weiterbildung oder früherer Ruhestand. Steuern und Sozialabgaben fallen erst bei der Auszahlung an. Arbeitsverhältnis und Sozialversicherung bleiben während der Freistellung bestehen. Arbeitgeber müssen das Guthaben schriftlich vereinbaren, insolvenzsicher anlegen und die eingezahlten Beträge garantieren (§§ 7b–7f SGB IV). Für Arbeitgeber ist das Zeitwertkonto freiwillig.

Benefits haben sich verändert. Gefragt sind heute weniger Obstkorb und Tischkicker als Lösungen, die zu unterschiedlichen Lebensphasen passen: Zeit für Familie und Pflege, eine Weiterbildung, ein Sabbatical oder ein früherer Übergang in den Ruhestand. Genau dafür gibt es das Zeitwertkonto. Es ist kein Pflichtprogramm, kann aber eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn Kultur, Verwaltung und Rechtsrahmen zusammenpassen.

Was ist ein Zeitwertkonto?

Bei einem Zeitwertkonto wird ein Teil des Arbeitsentgelts nicht sofort ausgezahlt, sondern in einem Wertguthaben angespart. Später nutzen Mitarbeitende das Guthaben, um sich für eine längere Zeit freistellen zu lassen. In dieser Zeit bekommen sie weiter Gehalt aus dem Konto, das Arbeitsverhältnis und der Sozialversicherungsschutz laufen weiter.

Typische Verwendungen:

  • Sabbatical für mehrere Monate
  • Pflegezeit für Angehörige
  • Familienzeit, etwa als Verlängerung der Elternzeit
  • Weiterbildung oder Studium
  • Gleitender oder früherer Übergang in den Ruhestand

Rechtsgrundlage sind die §§ 7b bis 7f SGB IV, oft als „Flexi-II-Gesetz“ bezeichnet.

Wie funktioniert ein Zeitwertkonto?

So funktioniert ein Zeitwertkonto in vier Phasen

PhaseWas passiertSteuer und Sozialversicherung
1. AnsparenGehalt, Boni, Überstunden oder Urlaubstage über dem gesetzlichen Mindesturlaub fließen ins Wertguthabennoch keine, Besteuerung erst bei Auszahlung
2. AnlegenDas Guthaben wird insolvenzsicher angelegt, die Einzahlungen sind garantiertErträge bleiben im Konto
3. FreistellungSabbatical, Pflegezeit, Weiterbildung oder früherer Ruhestand bei laufendem Gehalt aus dem Guthabennormal steuer- und beitragspflichtig, wie Gehalt
4. StörfallKündigung, Tod oder Auflösung ohne Freistellung: Guthaben wird ausgezahlt oder übertragenNachversteuerung und Beiträge auf einen Schlag
Stand: Oktober 2026emplu

Einbringen lassen sich Teile des laufenden Gehalts, Einmalzahlungen wie Boni oder Weihnachtsgeld, Überstunden und Urlaubstage, die über den gesetzlichen Mindesturlaub hinausgehen. Viele Arbeitgeber geben zusätzlich einen Zuschuss, etwa einen festen Prozentsatz auf jede Einzahlung.

Wie wird ein Zeitwertkonto versteuert?

Der große Vorteil liegt in der nachgelagerten Besteuerung: Was ins Zeitwertkonto fließt, wird in der Ansparphase weder versteuert noch verbeitragt. Steuern und Sozialabgaben fallen erst an, wenn das Guthaben in der Freistellungsphase als Gehalt ausgezahlt wird.

Das kann sich lohnen, wenn das Einkommen in der Freistellung niedriger ist als beim Ansparen, zum Beispiel beim gleitenden Übergang in den Ruhestand. Dann fällt ein geringerer Steuersatz an.

Zwei Einschränkungen:

  • Für Geschäftsführer und Vorstände gelten steuerlich Sonderregeln. Lasst das im Einzelfall prüfen.
  • Eine Übertragung des Guthabens in die betriebliche Altersvorsorge ist für neue Vereinbarungen seit 2009 nicht mehr möglich. Mehr zur bAV in betriebliche Altersvorsorge für Arbeitgeber.

Welche Vor- und Nachteile hat ein Zeitwertkonto?

So funktioniert ein Zeitwertkonto in vier Phasen

PhaseWas passiertSteuer und Sozialversicherung
1. AnsparenGehalt, Boni, Überstunden oder Urlaubstage über dem gesetzlichen Mindesturlaub fließen ins Wertguthabennoch keine, Besteuerung erst bei Auszahlung
2. AnlegenDas Guthaben wird insolvenzsicher angelegt, die Einzahlungen sind garantiertErträge bleiben im Konto
3. FreistellungSabbatical, Pflegezeit, Weiterbildung oder früherer Ruhestand bei laufendem Gehalt aus dem Guthabennormal steuer- und beitragspflichtig, wie Gehalt
4. StörfallKündigung, Tod oder Auflösung ohne Freistellung: Guthaben wird ausgezahlt oder übertragenNachversteuerung und Beiträge auf einen Schlag
Stand: Oktober 2026emplu

Für Mitarbeitende ist der größte Vorteil die Planbarkeit: Eine längere Auszeit ist möglich, ohne zu kündigen und ohne Einkommen und Versicherungsschutz zu verlieren. Für Arbeitgeber ist es ein Bindungsinstrument: Wer eine Auszeit über das Unternehmen plant, bleibt in der Regel auch danach.

Welche rechtlichen Anforderungen gelten?

6 rechtliche Anforderungen an ein Zeitwertkonto

AnforderungGrundlageWas ihr tun müsst
Schriftliche Vereinbarung§ 7b SGB IVvor dem ersten Ansparen schriftlich festlegen, wofür das Guthaben genutzt wird
Angemessenes Gehalt in der Freistellung§ 7 Abs. 1a SGB IVzwischen 70 und 130 % des Gehalts der letzten 12 Monate
Insolvenzschutz§ 7e SGB IVPflicht, sobald das Guthaben das Dreifache der monatlichen Bezugsgröße übersteigt
Werterhalt§ 7d SGB IVeingezahlte Beträge garantieren, Aktienanteil grundsätzlich höchstens 20 %
Portabilität§ 7f SGB IVÜbertragung auf neuen Arbeitgeber oder auf die Deutsche Rentenversicherung Bund ermöglichen
Information§ 7d Abs. 2 SGB IVMitarbeitende mindestens einmal im Jahr über den Kontostand informieren
Stand: Oktober 2026emplu

Der wichtigste Punkt ist der Insolvenzschutz. Das Guthaben muss so angelegt sein, dass es auch dann erhalten bleibt, wenn das Unternehmen zahlungsunfähig wird. Üblich sind Treuhandmodelle oder Versicherungslösungen. Eine reine Rückstellung in der Bilanz reicht nicht.

Gibt es einen Betriebsrat, wird das Zeitwertkonto meist über eine Betriebsvereinbarung eingeführt. Wie ihr den Betriebsrat einbindet, steht in Benefits mit dem Betriebsrat einführen.

Was passiert mit dem Guthaben bei Kündigung?

Wird das Guthaben nicht für eine Freistellung genutzt, spricht man von einem Störfall. Das kann eine Kündigung sein, ein Todesfall oder die Auflösung des Kontos. Dann gibt es drei Möglichkeiten:

  • Übertragung auf den neuen Arbeitgeber, wenn dieser zustimmt.
  • Übertragung auf die Deutsche Rentenversicherung Bund, wenn das Guthaben mindestens das Sechsfache der monatlichen Bezugsgröße beträgt. Das Guthaben kann dann später für eine Freistellung beim neuen Arbeitgeber genutzt werden.
  • Auszahlung: Das Guthaben wird auf einmal ausgezahlt und dann versteuert und verbeitragt.

Was ist der Unterschied zu Gleitzeit und Altersvorsorge?

Kurzzeitkonto, Zeitwertkonto, Altersvorsorge: der Unterschied

Kurzzeitkonto (Gleitzeit)ZeitwertkontoBetriebliche Altersvorsorge
ZweckMehrarbeit ausgleichenlängere Freistellung bei laufendem GehaltRente im Alter
ZeitraumTage bis MonateMonate bis JahreJahrzehnte
EinheitStundenGeld (Wertguthaben)Geld
Insolvenzschutzmeist nicht nötiggesetzlich vorgeschriebenüber Versicherer oder PSVaG
Steuerwie normales Gehalterst bei Auszahlung in der Freistellungerst bei Auszahlung der Rente
Stand: Oktober 2026emplu

Für welche Unternehmen eignet sich ein Zeitwertkonto?

Ein Zeitwertkonto lohnt sich vor allem, wenn:

  • viele Mitarbeitende Angehörige pflegen oder pflegen werden,
  • ihr den Übergang älterer Mitarbeitender in den Ruhestand gestalten wollt,
  • regelmäßig Überstunden oder Resturlaub anfallen, die ihr sinnvoll abbauen wollt,
  • Sabbaticals Teil eurer Arbeitgebermarke sein sollen.

Für kleine Unternehmen ist der Aufwand oft hoch. Spezialisierte Anbieter übernehmen heute Kontoführung, Anlage, Insolvenzschutz und die Schnittstelle zur Lohnabrechnung. Klärt vorab, was das kostet und wie viele Mitarbeitende das Angebot voraussichtlich nutzen.

Checkliste: Diese Fragen solltet ihr vorher klären

  • Ziel: Wofür soll das Konto genutzt werden, Pflege, Sabbatical, Ruhestand?
  • Finanzierung: Welche Bestandteile dürfen eingebracht werden, gibt es einen Arbeitgeberzuschuss?
  • Rechtsrahmen: Sind Vereinbarung, Insolvenzschutz und Werterhalt geprüft?
  • Störfälle: Wie läuft die Übertragung bei Kündigung?
  • Verwaltung: Wer führt das Konto, und wie kommen die Daten in die Lohnabrechnung?
  • Kosten und Nutzen: Wie stehen Einführungs- und laufende Kosten zur erwarteten Wirkung auf Bindung und Recruiting?

Wie passt das Zeitwertkonto in ein Benefit-Paket?

Das Zeitwertkonto ist ein Benefit für die lange Frist. Im Alltag spüren Mitarbeitende davon wenig. Deshalb wirkt es am besten zusammen mit Benefits, die jeden Monat ankommen: Sachbezug, Essenszuschuss, Mobilität oder Coaching. Welche Benefits in welcher Lebensphase passen, steht in Benefits nach Lebensphase.

Fazit: Ein Instrument für die lange Frist

Zeitwertkonten sind kein Muss, aber für Unternehmen mit vielen Mitarbeitenden in der Lebensmitte oder kurz vor der Rente eine starke Option. Sie ermöglichen Auszeiten ohne Kündigung, stärken die Bindung und helfen beim Übergang in den Ruhestand. Voraussetzung ist eine saubere Umsetzung mit Vereinbarung, Insolvenzschutz und klaren Regeln für den Störfall.

Häufige Fragen zum Zeitwertkonto

Was ist ein Zeitwertkonto? Ein Konto, auf dem Mitarbeitende Teile ihres Gehalts, Boni oder Überstunden ansparen, um später eine bezahlte Freistellung zu finanzieren, etwa ein Sabbatical, eine Pflegezeit oder einen früheren Ruhestand.

Wie wird ein Zeitwertkonto versteuert? Nachgelagert: In der Ansparphase fallen keine Steuern und Sozialabgaben an. Versteuert und verbeitragt wird das Guthaben erst, wenn es in der Freistellung als Gehalt ausgezahlt wird.

Ist ein Zeitwertkonto Pflicht für Arbeitgeber? Nein. Arbeitgeber können Zeitwertkonten freiwillig anbieten. Wenn sie es tun, müssen sie die gesetzlichen Vorgaben einhalten, vor allem schriftliche Vereinbarung, Insolvenzschutz und Werterhalt.

Was passiert mit dem Zeitwertkonto bei Kündigung? Das Guthaben kann auf den neuen Arbeitgeber oder unter Voraussetzungen auf die Deutsche Rentenversicherung Bund übertragen werden. Sonst wird es ausgezahlt und dann versteuert und verbeitragt.

Wie viel Gehalt bekomme ich während der Freistellung? Das Gehalt in der Freistellung muss angemessen sein: zwischen 70 und 130 % des durchschnittlichen Gehalts der letzten zwölf Monate vor der Freistellung.

Was ist der Unterschied zwischen Zeitwertkonto und Arbeitszeitkonto? Ein Arbeitszeitkonto oder Gleitzeitkonto dient dem kurzfristigen Ausgleich von Mehrarbeit in Stunden. Ein Zeitwertkonto spart Geld für längere Freistellungen an und muss gegen Insolvenz geschützt werden.

Kann das Guthaben in die betriebliche Altersvorsorge übertragen werden? Für Vereinbarungen ab 2009 nicht mehr. Das Zeitwertkonto dient der Freistellung, die Altersvorsorge läuft getrennt.

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Quellen: §§ 7, 7b bis 7f SGB IV, BMF-Schreiben zur steuerlichen Behandlung von Zeitwertkonten, Deutsche Rentenversicherung Bund

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

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von Anika Brunner

5. November 2025 | 6 min