Krankenstand senken: Was Fehltage kosten und welche Benefits wirklich helfen

Der Krankenstand in Deutschland lag 2025 bei 5,4 %, das sind rund 19,5 Fehltage pro Kopf. Bei 100 Mitarbeitenden kostet das schnell rund 300.000 € Lohn im Jahr, jeder Prozentpunkt weniger spart über 50.000 €. Senken lässt sich der Krankenstand mit Benefits, die an den häufigsten Ursachen ansetzen: Atemwege, Psyche und Bewegungsapparat. Am besten wirken flexible Angebote wie betriebliche Krankenversicherung, psychologische Beratung, Präventionskurse und Bewegung, kombiniert mit guter Führung. Viele davon sind steuerfrei oder steuerbegünstigt.

Wie hoch ist der Krankenstand in Deutschland?

Der Krankenstand bleibt auf hohem Niveau. Laut DAK-Gesundheitsreport lag er 2025 bei 5,4 %, wie im Vorjahr. Beschäftigte fehlten im Schnitt 19,5 Kalendertage. Das Statistische Bundesamt zählt nur Arbeitstage und kommt auf 14,6 Tage. Ein Teil des Anstiegs seit 2022 geht auf die elektronische Krankmeldung zurück, die Ausfälle vollständiger erfasst.

Krankenstand in Deutschland: die wichtigsten Zahlen

KennzahlWertQuelle
Krankenstand 20255,4 %DAK-Gesundheitsreport
Fehltage pro Kopf 2025 (Kalendertage)19,5 TageDAK-Gesundheitsreport
Krankgemeldete Arbeitstage pro Kopf 202514,6 TageStatistisches Bundesamt
Häufigste Ursache: Atemwege378 Fehltage je 100 VersicherteDAK 2025
Psychische Erkrankungen366 Fehltage je 100 Versicherte, + 6,9 %DAK 2025
Muskel-Skelett-Erkrankungen347 Fehltage je 100 VersicherteDAK 2025
Produktionsausfall in Deutschland 2024rund 134 Mrd. €BAuA
Krankenkassen zählen Kalendertage, das Statistische Bundesamt Arbeitstage · Stand: Oktober 2026emplu

Auffällig: Psychische Erkrankungen sind 2025 um fast 7 % gestiegen und liegen jetzt auf Platz zwei. Sie führen außerdem zu besonders langen Ausfällen.

Was kostet ein hoher Krankenstand euer Unternehmen?

Die Lohnfortzahlung ist nur der sichtbare Teil. Dazu kommen Vertretungen, Überstunden, verschobene Projekte und im schlimmsten Fall Kündigungen von überlasteten Kolleginnen und Kollegen. Volkswirtschaftlich schätzt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) die Produktionsausfälle 2024 auf rund 134 Milliarden Euro.

Für euer Unternehmen könnt ihr die Lohnkosten so überschlagen: Fehltage × Arbeitgeberkosten pro Arbeitstag.

Was der Krankenstand euch kostet: Beispielrechnung

Annahme: 100 Mitarbeitende, 45.000 € BruttojahresgehaltWert
Arbeitgeberkosten pro Person (Gehalt × 1,21)54.450 €
Kosten pro Arbeitstag (÷ 220 Arbeitstage)rund 248 €
Fehltage bei 5,4 % Krankenstand (220 × 5,4 % × 100)rund 1.190 Tage
Lohnkosten für Fehltage pro Jahrrund 294.000 €
1 Prozentpunkt weniger Krankenstandrund 220 Tage
Ersparnis pro Prozentpunktrund 54.500 €
Vereinfacht: nur Lohnkosten, ohne Vertretung, Überstunden und Produktivitätsverlust · Stand: Oktober 2026emplu

Rechnet mit euren eigenen Zahlen nach. Schon ein halber Prozentpunkt weniger finanziert in diesem Beispiel ein Gesundheitsbudget von über 20 € pro Person und Monat.

Was sind die häufigsten Ursachen für Fehltage?

Die drei großen Gruppen sind Atemwegserkrankungen, psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen. Je nach Lebensphase verschieben sich die Schwerpunkte:

  • 20 bis 35 Jahre: Stress, mentale Belastung, Erschöpfung
  • 35 bis 50 Jahre: Rücken und Nacken, Vereinbarkeit von Job und Familie, kranke Kinder
  • Über 50 Jahre: chronische Erkrankungen, Herz-Kreislauf

Fehlzeiten sind aber nicht nur eine Frage der Gesundheit. Gerade kurze Ausfälle von ein bis drei Tagen hängen stark mit Arbeitsklima, Führung und Wertschätzung zusammen. Wer sich gesehen fühlt, fehlt seltener. Mehr dazu in Mitarbeiterbindung: Fluktuation senken.

Warum scheitern klassische Gesundheitsprogramme?

Das Fitnessstudio im Keller, die Rückenschule am Dienstag, der Obstkorb: Solche Angebote erreichen oft nur die, die ohnehin gesund leben. Der Grund ist einfach. Ein einheitliches Programm passt nicht zu unterschiedlichen Bedürfnissen. Die 28-jährige Projektleiterin mit Stress braucht etwas anderes als der 55-jährige Techniker mit Rückenschmerzen.

Auch ein einmaliger Bonus hilft wenig. Er wird ausgegeben und vergessen, an den Ursachen ändert er nichts. Besser wirkt ein flexibles Budget, aus dem Mitarbeitende jeden Monat selbst wählen, was ihnen guttut.

Welche Benefits senken den Krankenstand?

9 Benefits, die den Krankenstand senken

BenefitWirkt gegenSteuerliche Behandlung 2026
Betriebliche Krankenversicherunglange Wartezeiten, Vorsorge, Zahngesundheitals Sachbezug in der 50-€-Freigrenze (zählt mit Gutscheinen zusammen)
Psychologische Beratung (z. B. OpenUp)Stress, Erschöpfung, psychische Belastungals Sachbezug in der 50-€-Freigrenze
PräventionskurseRücken, Stress, Ernährung, Schlafbis 600 € im Jahr steuerfrei (§ 3 Nr. 34), nur zertifizierte Kurse
Fitness-MitgliedschaftBewegungsmangel, Muskel-Skelettals Sachbezug in der 50-€-Freigrenze
DienstradBewegungsmangel, Herz-Kreislaufzusätzlich steuerfrei (§ 3 Nr. 37) oder per Entgeltumwandlung (0,25 %)
Essenszuschussunausgewogene Ernährung, Mittagspausebis 7,67 € pro Arbeitstag, pauschal 25 %
Erholungsbeihilfefehlende Erholung156 € / 104 € / 52 € im Jahr, pauschal 25 %
CoachingÜberlastung, Führungsthemenbei beruflichem Bezug kein Arbeitslohn (R 19.7 LStR)
Notfall-KinderbetreuungAusfälle wegen kranker Kinderbis 600 € im Jahr steuerfrei (§ 3 Nr. 34a)
Stand: Oktober 2026emplu

Betriebliche Krankenversicherung (bKV): schnellere Facharzttermine, Vorsorge, Zahnersatz und Brillen. Sie wirkt direkt auf die Dauer von Ausfällen und ist bei Mitarbeitenden sehr beliebt. Alles zu Leistungen und Steuer auf der Seite zur betrieblichen Krankenversicherung.

Psychologische Beratung: Bei Stress und Erschöpfung zählt Zeit. Mit OpenUp bekommen Mitarbeitende schnell und anonym Zugang zu Psychologinnen und Psychologen, ohne monatelange Wartezeit. Mehr in Mental Health 2026.

Bewegung: Fitness-Mitgliedschaften wie Urban Sports Club oder ein Dienstrad setzen bei Muskel-Skelett- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen an. Wie ihr Bewegung im Team verankert, steht in Bewegung am Arbeitsplatz.

Coaching: hilft bei Überlastung und Führungsthemen, bevor daraus ein Ausfall wird. Mehr in Coaching für Mitarbeiter.

Wichtig bei der Steuer: Die 50-€-Freigrenze gilt für alle Sachbezüge eines Monats zusammen. bKV, Fitness und Gutscheine teilen sich also dieses Budget. Eine Plattform rechnet das automatisch zusammen. Welche Benefits es insgesamt gibt, zeigt der Leitfaden Mitarbeiterbenefits.

Lohnt sich betriebliche Gesundheitsförderung?

Studien sprechen dafür. Der iga.Report 28 der Initiative Gesundheit und Arbeit hat zahlreiche Untersuchungen ausgewertet und für betriebliche Gesundheitsförderung im Schnitt einen Rückfluss von 2,70 € pro investiertem Euro ermittelt, vor allem durch weniger Fehlzeiten. Wie hoch der Effekt bei euch ist, hängt davon ab, ob die Angebote genutzt werden. Deshalb ist die Wahlfreiheit so wichtig.

Wie führt ihr Gesundheits-Benefits erfolgreich ein?

1. Bedarf ermitteln

  • kurze, anonyme Umfrage zu Gesundheitsthemen und Wünschen
  • Krankenstand nach Bereichen auswerten (nur zusammengefasst)
  • Budget festlegen, etwa aus der eingesparten Lohnfortzahlung

2. Angebot auswählen

  • steuerlich saubere Abwicklung als Grundvoraussetzung
  • breite Auswahl, damit jede Altersgruppe etwas findet
  • wenig Aufwand für HR und Lohnabrechnung Worauf ihr bei der Wahl des Anbieters achten solltet, steht in Benefit-Plattform auswählen.

3. Kommunizieren und vorleben

  • Start mit einer kurzen Vorstellung, nicht mit einer Broschüre
  • Erinnerungen an ungenutzte Budgets
  • Führungskräfte nutzen die Angebote selbst und sprechen darüber
  • Betriebsrat früh einbinden, falls es einen gibt

Wie messt ihr, ob es wirkt?

So messt ihr, ob es wirkt

KennzahlWas sie zeigtWie oft
Krankenstand gesamtEntwicklung im Vergleich zum Vorjahrquartalsweise
Kurzzeit-Fehltage (1–3 Tage)Hinweis auf Belastung und Arbeitsklimaquartalsweise
Langzeit-Fälle (über 6 Wochen)Bedarf an Wiedereingliederunglaufend
Nutzungsrate der Benefitsob das Angebot ankommtmonatlich
Zufriedenheit (Pulse-Umfrage)Wohlbefinden und Wertschätzunghalbjährlich
Nur anonymisierte, zusammengefasste Daten auswerten · Stand: Oktober 2026emplu

Gesundheitsdaten einzelner Mitarbeitender gehen den Arbeitgeber nichts an. Wertet deshalb nur anonymisierte und zusammengefasste Zahlen aus und gebt euch mindestens zwölf Monate Zeit. Saisonale Effekte wie eine Grippewelle können einzelne Quartale stark verzerren.

Fazit

Ein hoher Krankenstand kostet euch jedes Jahr einen sechsstelligen Betrag, schon bei 100 Mitarbeitenden. Ihr senkt ihn nicht mit einem einzelnen Programm, sondern mit flexiblen Benefits, die an den echten Ursachen ansetzen, und mit einer Kultur, in der Gesundheit ernst genommen wird. Viele dieser Benefits sind steuerfrei, ihr gebt also mehr weiter, als es euch kostet.

Häufige Fragen zum Krankenstand

Wie hoch ist der Krankenstand in Deutschland 2025? Laut DAK-Gesundheitsreport lag der Krankenstand 2025 bei 5,4 %. Beschäftigte fehlten im Schnitt 19,5 Kalendertage. Das Statistische Bundesamt nennt 14,6 krankgemeldete Arbeitstage.

Was kostet ein Krankheitstag den Arbeitgeber? Allein an Lohnkosten so viel wie ein Arbeitstag der Person, bei 45.000 € Bruttojahresgehalt rund 250 €. Dazu kommen Kosten für Vertretung, Überstunden und Produktivitätsverlust.

Wie kann man den Krankenstand senken? Mit Angeboten, die an den häufigsten Ursachen ansetzen: betriebliche Krankenversicherung, psychologische Beratung, Präventionskurse, Bewegung und gesunde Ernährung. Ebenso wichtig sind gute Führung, Wertschätzung und eine Arbeitslast, die zu schaffen ist.

Welche Gesundheits-Benefits sind steuerfrei? Zertifizierte Präventionskurse bis 600 € im Jahr (§ 3 Nr. 34 EStG), ein zusätzlich gewährtes Dienstrad (§ 3 Nr. 37) und Notfall-Kinderbetreuung bis 600 € im Jahr. bKV und Fitness-Mitgliedschaften sind als Sachbezug in der 50-€-Freigrenze steuerfrei.

Ab wann gilt ein Krankenstand als hoch? Liegt er über dem Branchendurchschnitt oder steigt er über mehrere Quartale, solltet ihr handeln. Als Orientierung dient der bundesweite Wert von rund 5,4 %.

Wie schnell wirken Gesundheits-Benefits? Erste Effekte bei Zufriedenheit und kurzen Fehlzeiten zeigen sich oft nach einigen Monaten. Für eine belastbare Aussage zum Krankenstand solltet ihr mindestens zwölf Monate vergleichen.

Gesundheits-Benefits, die genutzt werden

Mit emplu bündelt ihr bKV, psychologische Beratung, Fitness und weitere Benefits in einem Budget. Eure Mitarbeitenden wählen selbst, die Abrechnung läuft automatisch.

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Quellen: DAK-Gesundheitsreport, Pressemitteilung vom 20.01.2026 · Statistisches Bundesamt, Indikator Krankenstand · BAuA, Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit 2024 · iga.Report 28, Initiative Gesundheit und Arbeit

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung im Einzelfall.

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von Anika Brunner

13. Mai 2025 | 9 min