Kaum ist das Jahr 2026 in der Lohnabrechnung angekommen, steht die nächste Reform an. Die Bundesregierung hat am 2. September 2026 den Entwurf für das Einkommensteuerreformgesetz 2027 beschlossen, am 8. Oktober war die erste Lesung im Bundestag. Die meisten Änderungen sollen am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Für HR heißt das: Budget, Lohnabrechnung und Kommunikation jetzt vorbereiten, nicht erst im Dezember.
Die meisten Änderungen erledigt die Lohnabrechnung von selbst. Grundfreibetrag, Arbeitnehmer-Pauschbetrag und Steuertarif stecken in den neuen Lohnsteuertabellen. Euer Payroll-Programm übernimmt sie mit dem Update zum Jahreswechsel. Mitarbeitende mit kleinen und mittleren Einkommen haben dadurch ab Januar etwas mehr netto. Die Bundesregierung rechnet mit einer Entlastung von rund 4,5 Milliarden € im Jahr 2027.
Aktiv werden müsst ihr an zwei Stellen: bei Minijobs und bei Sonn- und Feiertagszuschlägen.
Zwei Änderungen treffen zusammen. Der Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung steigt von 13 auf 17,5 %. Das ist mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz bereits beschlossen. Dazu soll die einheitliche Pauschsteuer von 2 auf 5 % steigen. Außerdem steigt die Minijob-Grenze mit dem Mindestlohn von 14,60 € auf 633 € im Monat.
Ein Minijob an der Grenze kostet euch 2027 also rund 87 € mehr im Monat, gut 1.000 € im Jahr. Bei zehn Minijobs sind das über 10.000 €. Rechnet das jetzt ins Budget ein und prüft, ob die vereinbarten Stunden noch zur neuen Grenze passen. Wichtig: Steuerfreie Benefits wie Sachbezug oder Essenszuschuss zählen weiterhin nicht zum Minijob-Verdienst. Mehr dazu in Benefits für Minijobber.
Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit sind künftig bis zu einem Grundlohn von 75 € pro Stunde steuerfrei, bisher 50 €. Für Nachtarbeit bleibt es bei 50 €. In der Sozialversicherung werden tarifliche Sonn- und Feiertagszuschläge ebenfalls beitragsfrei, wenn der Tarifvertrag für das Arbeitsverhältnis gilt. Ein Verweis im Arbeitsvertrag auf einzelne Regeln reicht nicht. Für alle anderen Zuschläge bleibt die Grenze in der Sozialversicherung bei 25 €.
Das betrifft vor allem Pflege, Gastronomie, Handel und Produktion. Lasst die Lohnarten in eurem Abrechnungsprogramm rechtzeitig anpassen.
Der Pauschbetrag für Werbungskosten steigt um 200 € auf 1.430 € im Jahr. Er wird automatisch in der Lohnsteuer berücksichtigt. Eine Folge sollte HR kennen: Die Homeoffice-Pauschale und andere Werbungskosten lohnen sich für Mitarbeitende erst, wenn sie zusammen über 1.430 € liegen. Für viele lohnt sich die Homeoffice-Pauschale damit gar nicht mehr. Umso wichtiger sind Zuschüsse, die direkt vom Arbeitgeber kommen, etwa die Internetpauschale. Mehr dazu im Artikel zur Homeoffice-Pauschale.
Die steuerfreien Benefits sind von der Reform nicht betroffen. In der Presse wurde zwar über die Abschaffung einzelner Freibeträge diskutiert, etwa des Rabattfreibetrags. Im Gesetzentwurf steht davon aber nichts.
Das ist eine gute Nachricht für die Budgetplanung: Jeder Euro, den ihr über steuerfreie Benefits gebt, kommt 2027 genauso an wie 2026. Eine Gehaltserhöhung wird dagegen teurer, weil die Beitragsbemessungsgrenzen stark steigen. Wie ihr beides kombiniert, zeigt der Artikel Budget 2027.
Nicht jede politische Ankündigung muss sofort in einen fertigen Prozess übersetzt werden. Trennt zwischen ersten Vorschlägen, beschlossenen Gesetzen und verbindlichen Anwendungshinweisen. Fest steht schon: Mindestlohn, Minijob-Grenze und der höhere Krankenversicherungsbeitrag für Minijobs. Die Steuerreform ist noch ein Entwurf, Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen.
Bewährt hat sich eine Maßnahmenliste mit vier Spalten: betroffener Benefit oder Bereich, notwendige Änderung, verantwortliche Person und spätester Termin. Wenn möglich, macht eine Testabrechnung mit den neuen Werten. So prüft Payroll vor dem ersten echten Lauf, ob Grenzwerte, Pauschsteuer und Zuschläge richtig verarbeitet werden. Bei größeren Änderungen bindet Betriebsrat, Finanzabteilung und Steuerberatung früh ein.
Einen Überblick über alle Änderungen aus diesem Jahr findet ihr in Mitarbeiter-Benefits 2026: die wichtigsten Änderungen.
Für die meisten Mitarbeitenden bringt die Steuerreform 2027 etwas mehr netto, ohne dass HR viel tun muss. Spürbar teurer werden Minijobs, und bei Sonn- und Feiertagszuschlägen ändern sich die Lohnarten. Steuerfreie Benefits bleiben stabil und sind damit 2027 der verlässlichste Weg, mehr netto weiterzugeben. Plant jetzt, dann läuft die erste Abrechnung im Januar ohne Überraschungen.
Was ändert sich 2027 bei der Lohnsteuer? Laut Entwurf des Einkommensteuerreformgesetzes 2027 steigt der Grundfreibetrag auf 12.564 €, der Arbeitnehmer-Pauschbetrag auf 1.430 €. Der Spitzensteuersatz von 42 % beginnt bei 70.600 €. Der Reichensteuersatz von 45 % greift schon ab 250.000 €, neu ist ein Satz von 47 % ab 280.000 €.
Ist die Steuerreform 2027 schon beschlossen? Nein. Die Bundesregierung hat den Entwurf am 2. September 2026 beschlossen, die erste Lesung im Bundestag war am 8. Oktober 2026. Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen. Die Änderungen sollen am 1. Januar 2027 gelten.
Was kostet ein Minijob 2027? Bei einem gewerblichen Minijob mit 633 € zahlt ihr 17,5 % Krankenversicherung, 15 % Rentenversicherung und laut Entwurf 5 % Pauschsteuer, zusammen rund 237 €. Mit dem Verdienst sind das rund 870 € im Monat, ohne Umlagen. 2026 waren es rund 784 €.
Ändert sich 2027 etwas am Sachbezug? Nein. Der Sachbezug bleibt nach aktuellem Stand bei 50 € im Monat. Auch Internetpauschale, Erholungsbeihilfe, Kita-Zuschuss und Gesundheitsförderung bleiben unverändert.
Was müssen Arbeitgeber jetzt tun? Minijob-Kosten und Stunden neu planen, Lohnarten für Sonn- und Feiertagszuschläge anpassen, Lohnsteuertabellen zum Jahreswechsel aktualisieren und Mitarbeitende über die Änderungen informieren.
Quellen: Entwurf Einkommensteuerreformgesetz 2027 (BT-Drucksache 21/8235), GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BGBl. vom 29.07.2026), Mindestlohnanpassungsverordnung, Haufe, DATEV
Hinweis: Werte für 2027 auf Basis des Gesetzentwurfs, Stand Oktober 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Steuerberatung im Einzelfall.
von Alina Beckmann
27. August 2026 | 5 min
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