Betriebliche Altersvorsorge für Arbeitgeber 2026: Pflichten, Zuschuss und Grenzen

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist für Arbeitgeber Pflicht und Chance zugleich. Mitarbeitende haben einen Anspruch darauf, bis zu 4.056 € im Jahr (2026) aus ihrem Bruttogehalt umzuwandeln. Bei Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds müsst ihr dann mindestens 15 % dazugeben. Steuerfrei sind 2026 bis zu 8.112 € im Jahr, sozialversicherungsfrei bis zu 4.056 €. Als Arbeitgeber haftet ihr für die Zusage, deshalb lohnen sich ein unabhängiger Partner, eine klare Versorgungsordnung und digitale Verwaltung.

Was ist die betriebliche Altersvorsorge?

Die bAV ist eine Zusatzrente, die ihr als Arbeitgeber für eure Mitarbeitenden organisiert. Sie ergänzt die gesetzliche Rente, deren Niveau durch den demografischen Wandel unter Druck steht: Immer weniger Beitragszahlende finanzieren immer mehr Rentnerinnen und Rentner. Die bAV schließt einen Teil dieser Lücke und wird vom Staat steuerlich gefördert.

Finanziert wird sie auf zwei Wegen, die sich kombinieren lassen:

  • Entgeltumwandlung: Mitarbeitende zahlen einen Teil ihres Bruttogehalts ein, ihr gebt einen Zuschuss dazu.
  • Arbeitgeberfinanziert: Ihr zahlt den Beitrag ganz oder teilweise selbst, zusätzlich zum Gehalt.

Rechtsgrundlage ist das Betriebsrentengesetz (BetrAVG), die steuerliche Förderung regelt § 3 Nr. 63 EStG.

Welche Werte gelten 2026 für die bAV?

bAV: die wichtigsten Werte 2026

Wert 2026BetragGrundlage
Beitragsbemessungsgrenze Rentenversicherung101.400 € im Jahr (8.450 € im Monat)bundesweit einheitlich
Steuerfrei (8 % der BBG)8.112 € im Jahr (676 € im Monat)§ 3 Nr. 63 EStG
Sozialversicherungsfrei (4 % der BBG)4.056 € im Jahr (338 € im Monat)§ 1 Abs. 1 Nr. 9 SvEV
Anspruch auf Entgeltumwandlungbis 4.056 € im Jahr§ 1a BetrAVG
Pflichtzuschuss des Arbeitgebers15 % des umgewandelten Betrags§ 1a Abs. 1a BetrAVG
Unverfallbarkeit Arbeitgeberbeiträgenach 3 Jahren Zusage, ab 21 Jahren§ 1b BetrAVG
Unverfallbarkeit Entgeltumwandlungsofort§ 1b Abs. 5 BetrAVG
Stand: Oktober 2026emplu

Seit 2025 gibt es eine bundesweit einheitliche Beitragsbemessungsgrenze, die Unterscheidung zwischen Ost und West entfällt. Die Werte ändern sich jedes Jahr und gehören in euren jährlichen Check zum Jahreswechsel.

Welche Pflichten haben Arbeitgeber bei der bAV?

8 Pflichten des Arbeitgebers bei der bAV

#PflichtWas ihr tun müsst
1Entgeltumwandlung ermöglichenauf Wunsch bis 4 % der BBG umwandeln, Durchführungsweg dürft ihr vorgeben
215 % Zuschuss zahlenbei Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds, soweit ihr Sozialversicherung spart, außer ein Tarifvertrag regelt es anders
3Für die Zusage einstehenihr haftet für die zugesagte Leistung, auch wenn ein Versicherer sie erbringt
4Gleich behandelnvergleichbare Gruppen gleich behandeln, Teilzeit nicht ausschließen
5Richtig informierenVersorgungsordnung schriftlich festhalten, auf Nachfrage Auskunft geben, keine falschen Versprechen
6Insolvenzschutzbei Direktzusage, Unterstützungskasse und Pensionsfonds Beiträge an den PSVaG zahlen
7Korrekt abrechnenGrenzen 8.112 € und 4.056 € in der Lohnabrechnung einhalten, Zuschuss ausweisen
8Bei AustrittUnverfallbarkeit prüfen, Übertragung oder Fortführung ermöglichen
Stand: Oktober 2026emplu

Die wichtigste Pflicht wird oft übersehen: Ihr haftet für die Zusage. Auch wenn ein Versicherer die Rente auszahlt, steht ihr dafür ein, dass die zugesagte Leistung kommt (§ 1 Abs. 1 Satz 3 BetrAVG). Wer Mitarbeitende falsch oder unvollständig informiert, kann zudem schadenersatzpflichtig werden. Deshalb gehören eine schriftliche Versorgungsordnung und eine dokumentierte Beratung zu jeder bAV. Mehr zu Prüfungen und Haftung bei Benefits in Benefits rechtssicher gestalten.

Wie funktioniert der 15-%-Arbeitgeberzuschuss?

Wandeln Mitarbeitende Gehalt um, spart ihr Sozialversicherungsbeiträge. Einen Teil davon müsst ihr weitergeben: mindestens 15 % des umgewandelten Betrags, soweit ihr tatsächlich Beiträge spart (§ 1a Abs. 1a BetrAVG).

  • Gilt für: Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds.
  • Seit wann: seit 2019 für neue Verträge, seit 2022 auch für alle älteren.
  • Ausnahme: Ein Tarifvertrag kann andere Regeln vorsehen.
  • Über dem Pflichtteil: Liegt das Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze, spart ihr keine Sozialversicherung, dann entfällt die Pflicht für diesen Teil.

Viele Arbeitgeber zahlen bewusst mehr, etwa 20, 30 oder 50 %. Ein höherer Zuschuss steigert die Teilnahme deutlich und wirkt in der Kommunikation stärker als jede Broschüre.

Was kostet die bAV Mitarbeitende und Arbeitgeber wirklich?

Rechenbeispiel: was die bAV wirklich kostet

Annahme: 4.000 € brutto, Steuerklasse I, 200 € EntgeltumwandlungBetrag
Umgewandelt vom Bruttogehalt200 €
Pflichtzuschuss des Arbeitgebers (15 %)+ 30 €
Monatlicher Beitrag in die bAV230 €
Ersparnis Mitarbeitende bei Steuer und Sozialversicherungrund 100 €
Tatsächliche Nettobelastung Mitarbeitenderund 100 €
Ersparnis Arbeitgeber bei der Sozialversicherungrund 42 €
Ersparnis Arbeitgeber nach Zuschussrund 12 €
Vereinfachte Berechnung, Kirchensteuer nicht berücksichtigt · Stand: Oktober 2026emplu

Für 100 € netto weniger fließen in diesem Beispiel 230 € in die Altersvorsorge. Im Alter sind die Auszahlungen steuerpflichtig, und auf die Betriebsrente fallen oberhalb eines Freibetrags Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung an. Das gehört zu einer ehrlichen Beratung dazu.

Welche Durchführungswege gibt es?

Die 5 Durchführungswege der bAV

DurchführungswegSteuer und Sozialversicherung15-%-Zuschuss Pflicht?Typisch für
Direktversicherungsteuerfrei bis 8 %, SV-frei bis 4 % der BBGjakleine und mittlere Unternehmen, Standardlösung
Pensionskassesteuerfrei bis 8 %, SV-frei bis 4 % der BBGjaBranchen- und Tariflösungen
Pensionsfondssteuerfrei bis 8 %, SV-frei bis 4 % der BBGjagrößere Unternehmen, freiere Kapitalanlage
UnterstützungskasseLohnsteuer erst bei Auszahlung, SV-frei bis 4 % der BBGneinhöhere Beiträge, Führungskräfte
DirektzusageLohnsteuer erst bei Auszahlung, SV-frei bis 4 % der BBGneingroße Unternehmen mit Pensionsrückstellungen
Stand: Oktober 2026emplu

Für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen ist die Direktversicherung der einfachste Weg: Die Verwaltung liegt beim Versicherer, und der Insolvenzschutz über den PSVaG entfällt. Bei der Entgeltumwandlung dürft ihr den Durchführungsweg vorgeben, solange ihr mindestens einen anbietet.

Was ändert sich durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz II?

Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz II will der Gesetzgeber die bAV vor allem in kleinen Unternehmen und bei Geringverdienenden verbreiten. Die Eckpunkte:

  • Höhere Förderung für Geringverdienende: Die staatliche Förderung arbeitgeberfinanzierter Beiträge für Mitarbeitende mit niedrigem Einkommen (§ 100 EStG) wird ausgebaut, die Einkommensgrenze an die Lohnentwicklung gekoppelt.
  • Sozialpartnermodelle: Tarifliche Lösungen ohne Garantien sollen auch für nicht tarifgebundene Unternehmen leichter zugänglich werden.
  • Opting-out: Automatische Entgeltumwandlung mit Widerspruchsrecht soll einfacher möglich sein.

Prüft mit eurem Partner, welche Regeln für euch ab wann gelten.

Wie verbindet ihr die bAV mit der Lohnabrechnung?

Jede bAV muss in der Lohnabrechnung sauber abgebildet werden: Umwandlungsbetrag, Arbeitgeberzuschuss, die Grenzen für Steuer- und Sozialversicherungsfreiheit und jede Änderung durch Elternzeit, Teilzeit oder Austritt. Klassisch läuft das über Papierformulare zwischen HR, Versicherer und Lohnbuchhaltung. Das ist fehleranfällig.

Besser ist eine digitale Lösung, bei der Änderungen der Sparrate direkt in den Export für die Lohnabrechnung fließen. Wie die Abrechnung aller steuerfreien Benefits zusammen funktioniert, zeigt steuerfreie Benefits in der Lohnabrechnung.

Wie macht ihr die bAV für Mitarbeitende verständlich?

Die bAV hat ein Imageproblem: lange Vorträge, dicke Broschüren, unverständliche Hochrechnungen. Die Folge sind niedrige Abschlussquoten. Was hilft:

  • Eine klare Zahl: „Für 100 € netto bekommst du 230 € in die Vorsorge“ überzeugt mehr als Tarifdetails.
  • Digitaler Zugang: Mitarbeitende sehen per App, was eingezahlt wurde und was sie im Alter erwarten können, und können Szenarien durchrechnen.
  • Kurze Termine statt Pflichtveranstaltung: individuelle Beratung von 20 bis 30 Minuten, auch per Video.
  • Regelmäßig erinnern: beim Onboarding, bei Gehaltserhöhungen und zum Jahreswechsel.
  • Einen höheren Zuschuss kommunizieren: Er ist das stärkste Argument.

Gerade jüngere Mitarbeitende wissen um die Rentenlücke, schieben das Thema aber vor sich her. Mehr dazu in Benefits für die Generation Z.

Worauf solltet ihr bei der Wahl des bAV-Partners achten?

  • Unabhängigkeit: Makler, die mehrere Versicherer vergleichen, statt an einen Anbieter gebunden zu sein.
  • Kosten: Abschluss- und Verwaltungskosten offen ausgewiesen, nicht im Tarif versteckt.
  • Flexibilität: wählbare Garantieniveaus, nachhaltige Anlage, optionaler Schutz bei Berufsunfähigkeit, Wechsel bei Arbeitgeberwechsel.
  • Digitale Verwaltung: Portal für HR und Mitarbeitende, Export für die Lohnabrechnung.
  • Kommunikation: Unterstützung bei Info-Veranstaltungen und Einzelberatung.

Allgemeine Kriterien für Benefit-Anbieter findet ihr in Benefit-Plattform auswählen.

Wie lässt sich die bAV mit anderen Benefits kombinieren?

Die bAV wirkt langfristig, im Alltag spüren Mitarbeitende sie kaum. Deshalb lohnt die Kombination mit Benefits, die jeden Monat sichtbar sind, etwa Sachbezug, Essenszuschuss oder Deutschlandticket. Eine arbeitgeberfinanzierte bAV ist außerdem eine steuerlich günstige Alternative zur Gehaltserhöhung. Den Vergleich zeigt Gehaltserhöhung oder Benefits, einen Überblick über alle Benefits der Leitfaden Mitarbeiterbenefits.

Fazit

Die bAV ist gesetzlich vorgeschrieben, aber richtig gemacht einer der stärksten Benefits für die Bindung eurer Mitarbeitenden. Haltet die Werte 2026 ein, zahlt den Zuschuss korrekt, wählt einen unabhängigen Partner und macht das Angebot verständlich. Dann wird aus der Pflicht ein echter Vorteil.

Häufige Fragen zur betrieblichen Altersvorsorge für Arbeitgeber

Ist die bAV für Arbeitgeber Pflicht? Ja, in einem Punkt: Mitarbeitende haben einen Anspruch auf Entgeltumwandlung bis 4 % der Beitragsbemessungsgrenze, 2026 also bis 4.056 € im Jahr. Eine arbeitgeberfinanzierte bAV ist dagegen freiwillig.

Wie hoch ist der Arbeitgeberzuschuss zur bAV? Mindestens 15 % des umgewandelten Betrags, soweit der Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge spart. Die Pflicht gilt für Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds, außer ein Tarifvertrag regelt es anders.

Wie viel kann 2026 steuerfrei in die bAV fließen? Bis zu 8 % der Beitragsbemessungsgrenze, also 8.112 € im Jahr. Davon sind bis zu 4 %, also 4.056 €, auch sozialversicherungsfrei.

Haftet der Arbeitgeber für die Betriebsrente? Ja. Der Arbeitgeber steht für die zugesagte Leistung ein, auch wenn ein Versicherer oder eine Kasse sie auszahlt. Bei falscher Information kann er außerdem schadenersatzpflichtig werden.

Was passiert mit der bAV bei einem Jobwechsel? Durch Entgeltumwandlung finanzierte Anwartschaften sind sofort unverfallbar. Arbeitgeberfinanzierte Anwartschaften werden unverfallbar, wenn die Zusage mindestens drei Jahre bestand und die Person mindestens 21 Jahre alt ist. Der Vertrag kann übertragen oder privat fortgeführt werden.

Welcher Durchführungsweg eignet sich für kleine Unternehmen? Meist die Direktversicherung. Die Verwaltung liegt beim Versicherer, und es fallen keine Beiträge zum Insolvenzschutz an.

Wie bindet man die bAV in die Lohnabrechnung ein? Umwandlungsbetrag und Zuschuss werden in der Lohnabrechnung steuer- und beitragsfrei gestellt, bis die Grenzen erreicht sind. Am einfachsten geht das, wenn Änderungen digital erfasst und direkt an die Lohnabrechnung übergeben werden.

Eure bAV neu aufstellen

emplu vermittelt euch unabhängige bAV-Partner und verbindet die Betriebsrente mit euren anderen Benefits in einer Plattform.

15 Minuten Beratung buchenbAV mit emplu

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

von Anika Brunner

09. Mai 2025 | 9 min